Angreifer von Paris war der Polizei bekannt

Am vergangenen Donnerstag erschießen Polizisten in Paris einen Mann, der sie mit einem Schlachterbeil attackiert. Jetzt kommt heraus: Der Angreifer lebte zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen, verherrlichte die IS-Terrormiliz und war der Polizei gut bekannt.

In diesem Asylbewerberheim in Recklinghausen hat der erschossene Mann gelebt

In diesem Asylbewerberheim in Recklinghausen hat der erschossene Mann gelebt

Der Mann, der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten erschossen wurde, ist der deutschen Polizei seit langem bekannt gewesen und war sogar schon inhaftiert. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Der Asylbewerber spielte den Behörden mindestens sieben verschiedene Identitäten vor, verübte zahlreiche Straftaten und verbüßte im August eine einmonatige Freiheitsstrafe, wie der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob, am Sonntag berichtete. Gegen ihn sei unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel und Körperverletzung ermittelt worden.

Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte „Allah ist groß“ gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.

Verschiedene Identitäten

Der Mann lebte bis Dezember in Recklinghausen. In seinem Zimmer wurden zwei von ihm gefertigte Zeichnungen der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Er sei 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben, sagte Jacob. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. „Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist“, sagte Jacob. Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen und habe von der Stadt eine „Aufenthaltsgestattung“ bekommen.

Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der sich radikalisiert habe. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe. Eine 60-köpfige Ermittlungskommission arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung der wahren Identität des Mannes. Bei Durchsuchungen in dem Recklinghauser Asylbewerberheim seien Datentäger, Handy-Sim-Karten und Zettel in arabischer Sprache sichergestellt worden.

Nach französischen und deutschen Angaben wurden bei dem erschossenen Angreifer Personalpapiere gefunden, die ihn als Tarek Belgacem auswiesen. Ein Mann unter diesem Namen sei am selben Tag in Abwesenheit von einem französischen Strafgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Französische Medien berichteten, die Familie des Mannes habe ihn auf einem Foto erkannt.

Drogen und Gewalt

Schon 2014 wurde der Mann vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen angegrapscht haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Mann in der Silvesternacht, als es zu massenhaften Übergriffen in Köln kam, wohl nicht in Deutschland. Der Mann sei einmal auch in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve soll sich der Mann auch in der Schweiz und Luxemburg aufgehalten haben. Auch Cazeneuve sagte französischen Medien auf die Frage, ob der Angreifer möglicherweise Komplizen gehabt habe: „Meines Wissens nicht.“ Ermittler fanden bei dem Erschossenen ein Bekenntnis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und in seinem Handy eine deutsche Sim-Karte.

dpa/rkr/km - Bild: Roberto Pfeil/AFP