Glamour in Cannes: 63. Festival eröffnet

Das Motto der Juroren der 63. Filmfestspiele an der Côte d'Azur: Wir sind offen für alle Filme.

Benicio del Toro und Kate Beckinsale

Benicio del Toro und Kate Beckinsale

Es war eine Eröffnungsgala ohne die Hauptperson: Regisseur Ridley Scott musste am Mittwochabend die Uraufführung seines Helden-Epos «Robin Hood» zur Eröffnung des Filmfestivals in Cannes vom Krankenbett aus verfolgen. Eine Knieoperation hatte ihn von einer Reise an die Côte d’Azur abgehalten. Doch seine Hauptdarsteller Russell Crowe und Cate Blanchett – in einem atemberaubenden schwarzsilbernen langen Kleid – vertraten ihn würdig. Wie viele andere ihrer Kollegen sprachen sie Scott Genesungswünsche in die Kameras.

Und auch sonst ließ der Glamour auf dem Roten Teppich des legendären Palais an der Croisette nichts zu wünschen übrig. Elegant wie immer flanierte Helen Mirren in den Saal, Salma Hayek winkte den Fans zu und gab Interviews, und «Desperate Housewife» Eva Longoria Parker hauchte Küsschen in die Menge.

„Wir wollen Filme, die uns berühren“

Am Nachmittag hatte Jury-Präsident Tim Burton das Motto der 63. Filmfestspiele an der Côte d’Azur ausgegeben: Sie seien offen für alle Filme. «Wir in der Jury sind in keinster Weise voreingenommen», sagte der Regisseur («Alice im Wunderland»). «Es gibt nichts, wonach wir speziell suchen», sagte er, auch nicht nach politischen Themen. «Wir wollen Filme, die uns berühren.»

Der eigenwillige Filmemacher begrüßte, dass in diesem Jahr nicht so viele Hollywood-Produktionen im Wettbewerb sind. «Das ist eine Chance zu sehen, was in der Welt des Kinos sonst noch so los ist», sagte er. Aus den USA kommt nur ein einziger Beitrag und zwar Dough Limans «Fair Game» mit Sean Penn in der Hauptrolle. Die meisten der 19 Beiträge stammen aus nichteuropäischen Ländern.

Burton freue sich schon darauf, überrascht zu werden. «Das Element der Überraschung ist sehr wichtig – und ich bin mir sicher, wir werden überrascht werden!» In der Jury sitzen neben Burton acht weitere Filmemacher und Schauspieler, darunter Kate Beckinsale und Benicio Del Toro. Der kündigte an, bestens auf seinen Job als Jurymitglied vorbereitet zu sein: Er habe sich die Ohren saubergemacht und die Brillengläser geputzt. Hollywoodstar Beckinsale versicherte, dass sie sich vor den vielen Männern in der Jury nicht fürchte. «Ich habe vier Brüder, da bin ich es gewöhnt, von Jungs umgeben zu sein», sagte die 36-Jährige. Neben Beckinsale ist noch die italienische Schauspielerin Giovanna Mezzogiorno Jurymitglied.

Ein neuer Robin Hood?

Bestens gelaunt hatten Blanchett und Crowe den neuen «Robin Hood» vorgestellt. Die größte Herausforderung sei gewesen, dass Ridley Scott ihr bei den Dreharbeiten immer wieder Matsch ins Gesicht geschmiert habe. Doch es habe sie entschädigt, dass sie Russell Crowe habe küssen dürfen. Der sprach vor allem über Scotts und seine Motivation, die hundertfach erzählte Geschichte des englischen Volkshelden neu zu verfilmen.

«Wir haben eine ziemlich arrogante Perspektive eingenommen und sagen den Zuschauern: „Was auch immer Ihr glaubtet, über Robin Hood zu wissen, es ist falsch“», sagte Crowe am Mittwoch bei der Vorstellung des Eröffnungsfilms der Filmfestspiele in Cannes. Der mehr als zweistündige Film setzt vor der bekannten Heldensage ein und präsentiert einen Robin Hood, der Anfang  des 13. Jahrhunderts als ehemaliger Kreuzritter nach England zurückkehrt.

Die Anwärter auf die Goldene Palme

Bis zum 23. Mai konkurrieren an der Croisette 19 Filme um die Goldene Palme. Dabei geht mit Mahamat-Saleh Harouns «Un Homme Qui Crie» erstmals ein Beitrag aus dem Tschad ins Rennen, China stellt «Chongqing Blues» von Xiaoshuai Wang vor, Südkorea ist gleich zweimal vertreten, und aus Thailand bringt Filmemacher Apichatpong Weerasethakul «Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives» mit nach Cannes.

Frankreich geht mit vier Filmen und damit den meisten Beiträgen in den Wettbewerb, darunter Mathieu Amalric («Tournée»),  Xavier Beauvois («Des Hommes Et Des Dieux»), Rachid Bouchareb («Hors La Loi») und Altmeister Bertrand Tavernier, der mit «La Princesse de Montepensier» um die Goldene Palme konkurriert. Außer Konkurrenz zeigt Oliver Stone mit «Wallstreet 2 – Money Never Sleeps» die Fortsetzung seines Blockbusters aus den 80er Jahren mit Michael Douglas. Stars wie Naomi Watts, Antonio Banderas und Anthony Hopkins sind in Woody Allens neuem Film «You Will Meet A Tall Dark Stranger» zu sehen.

Britta Schmeis (dpa) - Bilder: epa

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