Infantino als Platini-Ersatz – Bewerber-Rekord für FIFA-Präsidenten

Europas Fußball-Verbände haben ihre Ersatzlösung für Michel Platini gefunden: UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino steigt in das Rennen um das FIFA-Präsidentenamt ein. Insgesamt gibt es so viele Kandidaten wie noch nie in der Ära des scheidenden Amtsinhabers Joseph Blatter.

UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino (Bild vom 18.10.)

Gianni Infantino (Bild vom 18.10.)

Mehr als ein halbes Dutzend Bewerber startet in das Rennen um die Nachfolge von FIFA-Präsident Joseph Blatter – und auch Europa hat sich kurz vor Fristende noch auf einen Plan B geeinigt. Angesichts der Sperre von Michel Platini stellte die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Montag Generalsekretär Gianni Infantino als Notfall-Lösung auf und offenbarte damit erhebliche Zweifel an einer Kandidatur des momentanen Chefs.

„Wir glauben, dass Gianni Infantino alle Qualitäten hat, die es braucht, um die großen Herausforderungen anzugehen. Er kann die Organisation auf dem Weg der Reformen führen, um die Integrität und Glaubwürdigkeit wiederherzustellen“, teilte die UEFA-Exekutive nach einer Telefonkonferenz mit. In dem Statement erwähnte die UEFA Platini mit keinem Wort.

Derzeit gilt als wahrscheinlich, dass sich der 45 Jahre alte Italo-Schweizer Infantino anstelle von Platini zur Wahl des Nachfolgers von Joseph Blatter am 26. Februar stellt. Wegen einer von Blatter erhaltenen dubiosen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken ist Platini derzeit für 90 Tage von der FIFA-Ethikkommission gesperrt.

Nach Ende der Bewerbungsfrist folgt ein Integritätscheck der Anwärter. Dieser soll zwar nicht durchgeführt werden, solange ein Kandidat gesperrt ist; ein Freispruch Platinis im Ethikverfahren wäre allerdings eine große Überraschung. Die Suspendierung des 60 Jahre alten Franzosen läuft Anfang Januar aus und kann noch um 45 Tage verlängert werden. Sollte Platini jedoch doch noch antreten dürfen, würde Infantino voraussichtlich seine Kandidatur zurückziehen. Der Jurist ist der Öffentlichkeit vor allem aus seiner Rolle bei Auslosungen von Europameisterschaften und Europapokal-Wettbewerbenbekannt.

Insgesamt hatte sich damit bereits vor Bewerbungsschluss um Mitternacht die Zahl der Anwärter auf das höchste Amt im Weltfußball auf acht erhöht – so viele wie noch nie in der Ära Blatters.

Der von Menschenrechtlern scharf kritisierte asiatische Verbandschef Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa habe seine Bewerbung angekündigt, berichtete die staatliche bahrainische Nachrichtenagentur BNA am Montag. Der offizielle Schritt stand aber zunächst noch aus. Menschenrechtsorganisationen werfen der Familie Al Chalifa vor, bei der Niederschlagung der Anti-Regierungsproteste im Bahrain beteiligt gewesen zu sein. Es ist möglich, dass die FIFA-Ethikkommission gegen ihn ermittelt.

Der liberische Verbandspräsident Musa Bility erklärte, dass die notwendigen Unterstützerstimmen von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden für ihn dem Weltverband übergeben worden seien. „Ich bin ein sehr glücklicher Mann“, sagte Bility bei BBC Sport. „Wenn wir den Fußball verändern wollen, dann müssen wir sicherstellen, dass diejenigen, die die FIFA seit 20-25 Jahren führen, nichts mehr damit zu tun haben.“

Bislang streben darüber hinaus der zuletzt Blatter unterlegene Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, der frühere Fußballprofi David Nakhid aus Trinidad und Tobago, der Ex-FIFA-Generalsekretär Jérôme Champagne und der Südafrikaner Tokyo Sexwale die Nachfolge von Joseph Blatter an. Der ehemalige Weltverbands-General Michel Zen-Ruffinen will sich möglicherweise ebenfalls bewerben.

Vor der vergangenen Wahl Ende Mai gab es zunächst vier Bewerber, das Feld reduzierte sich jedoch, nachdem sich die europäische Unterstützung auf al-Hussein konzentrierte. Der wie Platini für 90 Tage gesperrte Blatter hat trotz seiner Verwicklung in den größten Skandal der FIFA-Geschichte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, doch noch seinen Nachfolger inthronisieren zu dürfen. „“Ich will nach 41 Jahren bei der FIFA einen würdigen Abgang“, sagte der Schweizer zuletzt.

Von Florian Lütticke, dpa/dop - Bild: Alain Grosclaude (afp)

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