Die radikal-islamische Hamas lehnt nach den Worten eines Führungsmitglieds direkte Verhandlungen mit Israel nicht mehr kategorisch ab. Mussa Abu Marsuk, Mitglied des Hamas-Politbüros, sagte nach palästinensischen Medienberichten vom Donnerstag, Gespräche mit dem Feind seien unter bestimmten Umständen "kein Tabu". Die Organisation teilte jedoch später offiziell mit, Verhandlungen mit Israel seien "nicht Teil ihrer Politik". Es gebe dazu auch keine Diskussionen.
Der Hamas-Funktionär hatte Medienberichten zufolge zugegeben, dass es Druck aus der Bevölkerung in Gaza gebe, solchen Verhandlungen zuzustimmen. Bislang hatte die Hamas, die zur Zerstörung Israels aufruft, offiziell nur indirekten Gesprächen mit Vertretern Israels zugestimmt. Die von Ägypten ausgehandelte Vereinbarung einer Waffenruhe im Gaza-Krieg sieht eine Fortsetzung der Gespräche vor. Die indirekten Verhandlungen über eine dauerhafte Regelung des Gaza-Konflikts, an der alle palästinensischen Fraktionen beteiligt sind, sollten bis Ende des Monats beginnen.
Israel ist erst dann zu direkten Verhandlungen mit der Hamas bereit, wenn die Organisation den Forderungen des Nahost-Quartetts (USA, Russland, EU und UN) nach einem Gewaltverzicht und einer Anerkennung Israels sowie der bestehenden Friedensverträge nachkommt. Die Palästinenserbehörde ist gegen getrennte Gespräche einzelner Fraktionen mit Israel. Ein Sprecher der gemäßigten Fatah sagte sogar, getrennte Verhandlungen der Hamas mit Israel wären "Verrat".
dpa/cd