Knapp drei Wochen nach dem Ausbruch blutiger Kämpfe im Südsudan haben Vertreter der Konfliktparteien mit direkten Verhandlungen über eine Waffenruhe begonnen. "Wir sprechen seit dem Morgen mit der Regierungsseite darüber, welche Schritte nötig sind, um ein Ende der Feindseligkeiten zu erreichen", sagte Miyong G. Kuon, ein Sprecher der Rebellendelegation, am Dienstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba der Nachrichtenagentur dpa.
Zudem steht offenbar das Schicksal von elf Politikern auf der Tagesordnung, die im Dezember im Zuge eines angeblichen Putschversuchs in dem ostafrikanischen Krisenland in Haft genommen wurden. Die Regierung von Präsident Salva Kiir hat die Freilassung der Gefangenen bisher abgelehnt. Die Rebellen, die dem ehemaligen Vize-Präsidenten Riek Machar anhängen, wollen die Politiker aber unbedingt in die Friedensgespräche miteinbeziehen.
Die USA unterstützen nach Angaben einer Sprecherin die Forderung der Opposition. Es könne nur "bedeutsame und produktive Diskussionen über politische Lösungen" geben, wenn die inhaftierten Politiker daran teilnehmen könnten. "Wir rufen die Regierung des Südsudans dringend dazu auf, die Gefangenen umgehend freizulassen", hieß es bei einer Pressekonferenz in Washington.
Auch die Europäische Union forderte beide Seiten mit scharfen Worten auf, umgehend eine Lösung für die blutige Gewalt und die "völlig katastrophale humanitäre Situation" zu finden und die Gefangenen zu befreien. "Die Feindseligkeiten müssen aufhören. Das liegt in der Verantwortung beider Konfliktparteien", erklärte Alexander Rondos, der EU-Sondergesandte für das Horn von Afrika.
"Es gibt keine Alibis und niemand kann mit dem Finger auf den Anderen zeigen: Beide Seiten haben dies begonnen und sie sollten es besser schnell zu einem Ende bringen." Rondos warnte davor, dass sich der Südsudan - wie schon zuvor Somalia - zu einem "gescheiterten Staat" entwicklen könnte.
Ausbruch von Epidemien befürchtet
Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) warnte am Dienstag vor dem Ausbruch von Epidemien unter den Flüchtlingen. "Falls die Kämpfe weitergehen und uns daran hindern, die Menschen in Not sicher zu erreichen, dann wird sich die Lage der Menschen schnell weiter verschlimmern", sagte der zuständige Landeskoordinator Raphael Gorgeu.
Bereits heute leisteten Nothilfeteams der Organisation medizinische Hilfe für mehr als 110.000 Vertriebene. Insgesamt sollen mindestens 200.000 Menschen auf der Flucht sein.
dpa/mh