Chodorkowski verbringt Weihnachten mit ganzer Familie in Berlin

Familie Chodorkowski zu Weihnachten wieder vereint: Der Ex-Öl-Milliardär will auch den Jahreswechsel mit Frau und vier Kindern in Berlin verbringen. Anfang des Jahres will er in die Schweiz reisen.

Michail Chodorkowski verbringt Weihnachten mit ganzer Familie in Berlin

Michail Chodorkowski verbringt Weihnachten mit ganzer Familie in Berlin

Erstmals seit zehn Jahren wird der aus dem Straflager entlassene Ex-Öl-Milliardär Michail Chodorkowski an Weihnachten wieder mit seiner ganzen Familie zusammenkommen.

Seine Frau Inna und die drei Kinder der beiden würden noch am Heiligabend in Berlin erwartet, sagte ein Sprecher Chodorkowskis der Nachrichtenagentur dpa. Der Sohn aus erster Ehe, Pawel, ist bereits in der Hauptstadt.

Chodorkowski war am vergangenen Freitag unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Straflager ausgereist. Die Familie wolle in Berlin Weihnachten verbringen und das Neujahrsfest feiern, sagte der Sprecher. Im Januar werde Chodorkowski in die Schweiz reisen.

Außer dem 28-jährigen Pawel, der in New York lebt, hat Chodorkowski seine Kinder immer wieder gesehen. Seine 22-jährige Tochter Nastja hatte er zuletzt im September getroffen. Die Zwillinge Gleb und Ilja sind 14. Für Familientreffen – auch mit seiner Frau – wurde ihm einmal im Quartal für drei Tage ein Extra-Zimmer im Straflager zur Verfügung gestellt.

Wie es im neuen Jahr für den 50-jährigen Chodorkowski weitergehen wird, ist noch offen. Im Jahr 2015 könnte er auch ohne Bezahlung seiner Millionenschulden beim russischen Staat nach Moskau zurückkehren. Die Staatsduma bereite ein Gesetz vor, das künftig eine private Bankrotterklärung ermögliche, sagte der Parlamentsabgeordnete Sergej Gawrilow der Zeitung „Iswestija“ (Dienstag).

Der von Präsident Wladimir Putin begnadigte frühere Kremlgegner hat nach offiziellen Angaben 17,5 Milliarden Rubel (388,9 Millionen Euro) Schulden beim russischen Staat. Die Summe geht zurück auf ein umstrittenes Strafverfahren von 2003 wegen Steuerbetrugs bei Chodorkowskis inzwischen zerschlagenem Ölkonzern Yukos.

Der einst reichste Mann Russlands hatte in seinem Exil in Berlin erklärt, dass ihn auch ein Rechtsstreit um diese Summe von einer Rückkehr nach Russland abhalte. Chodorkowski geht davon aus, dass Putin ihn begnadigt hat, weil er ausreiste. Außerdem erhebt Chodorkowski keine Forderungen auf Rückgabe seines früheren Eigentums. Und er verzichtet darauf, die russische Opposition zu unterstützen.

Den am Montag freigelassenen Aktivistinnen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot gratulierte Chodorkowski. Besonders wichtig sei es, dass die Frauen nach der Haft keinen Hass und keine Wut in ihren Herzen behielten, schrieb er in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft. Die Freilassung politischer gefangener mache die Machthaber „zumindest ein wenig humaner“, so Chodorkowski.

Chodorkowski hatte mehr als zehn Jahre in Haft verbracht. Gegen ihn waren in insgesamt zwei umstrittenen Prozessen unter anderem noch Strafen wegen Geldwäsche und Öldiebstahls verhängt worden. Regulär wäre er im August 2014 aus dem Straflager entlassen worden.

dpa - Bild: John MacDougall (afp)