In den vergangenen Tagen sind nach Schätzungen fast 50.000 Migranten von Marokko aus irregulär in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf die spanische Regierung. Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner.
Der ungewöhnliche Andrang löste eine schwere Krise aus. Die spanische Regierung setzt erstmals seit dem Massenzustrom von Mai 2021 wieder Militär zur Unterstützung der Grenzsicherung ein. Nach Behördenangaben kamen mindestens 34 Menschen bei dem Versuch ums Leben, Ceuta schwimmend zu erreichen.
Auslöser war möglicherweise eine Entscheidung des Obersten Gerichts in Spanien, dass über das Meer ankommende Migranten nicht ohne ordnungsgemäßes Verfahren zurückgeschickt werden dürfen. Das spanische Innenministerium wirft Schlepperbanden vor, das Urteil auszunutzen.
An der marokkanischen Landesgrenze hat sich eine fünf Kilometer lange Warteschlange von Menschen gebildet, die auf eine Einreise nach Ceuta hoffen. Die Behörden sprechen von einem humanitären Notstand. Die Auffangzentren der Stadt seien restlos überfüllt, die Stadt stehe vor dem Kollaps.
Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt. Zwar kamen auch in der Nacht zu Freitag und am Freitagmorgen weitere Menschen an, laut Medien aber deutlich weniger als am Vortag. Außerdem sollen schon rund 25.000 Menschen wieder freiwillig nach Marokko zurückgekehrt sein.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach am Freitag bei einem Besuch in Ceuta von einem "Angriff" und der "Verletzung der territorialen Integrität von Spanien".
Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben Hunderte Migranten die Grenze überwunden. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle.
Wegen der Vorfälle hat die italienische Regierung den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum gefordert. Außenminister Tajani kritisierte in den sozialen Medien eine "irreguläre und unkontrollierte Einwanderung". Spanien berief daraufhin den italienischen Botschafter ein.
Frankreich verstärkt Grenzkontrollen wegen Ceuta-Andrang
Frankreich verschärft wegen des Andrangs von Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien. Das teilte das französische Innenministerium mit.
Außerdem werde die schnelle Eingreiftruppe der Grenzschutzbehörde für Kontrollen auch im Hinterland eingesetzt. Sie ist bisher vor allem an der Grenze zu Italien aktiv und besteht aus Kräften der Polizei, Gendarmerie, des Zolls sowie aus Soldaten der Anti-Terror-Gruppe Sentinelle.
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