Sommerfestivals stehen angesichts zunehmender Hitzewellen vor der Frage, ob ihre bisherigen Abläufe noch zeitgemäß sind. Während in Mitteleuropa oft noch Programme am frühen Nachmittag unter freiem Himmel stattfinden, zeigen Länder wie Spanien seit Jahrzehnten, wie sich Großveranstaltungen an extreme Temperaturen anpassen lassen. Ein prägnantes Beispiel ist das Festival Internacional de Benicàssim (FIB) an der Mittelmeerküste, das regelmäßig unter sehr hohen Sommertemperaturen stattfindet und seinen Ablauf konsequent darauf ausrichtet.
Die Konzerte in Benicàssim beginnen traditionell erst später am Tag und ziehen sich bis in die frühen Morgenstunden. Die Besucher verbringen die heiße Tageszeit nicht auf dem Festivalgelände vor der Bühne, sondern weichen auf schattige Bereiche, Campingplätze oder den nahegelegenen Strand aus. Damit wird die Hitze nicht ignoriert, sondern bewusst in die Tagesplanung integriert.
Auch auf dem Gelände selbst setzen Veranstalter zunehmend auf bauliche und organisatorische Maßnahmen gegen die hohen Temperaturen. Dazu gehören großflächige Schattenspender, sogenannte "Klimainseln" mit überdachten Aufenthaltszonen sowie begrünte Bereiche, die die Umgebungstemperatur lokal senken sollen. Ergänzt wird dies durch zusätzliche Trinkwasserstationen, Vernebelungsanlagen und kühlere Rückzugsorte, die den Besuchern Erholung von der intensiven Sonne ermöglichen.
Diese Maßnahmen sind längst Teil eines umfassenden Hitzeschutzkonzepts, das in südlichen Ländern selbstverständlich geworden ist. Für Festivals in Mitteleuropa wird dieses Modell zunehmend wichtiger. Zwar lassen sich spätere Konzertzeiten nicht überall ohne Weiteres umsetzen - etwa aufgrund von Lärmschutzauflagen, öffentlichem Verkehr oder Anwohnerinteressen -, doch die Richtung ist klar erkennbar, um hitzebedingte Absagen wie jetzt bei Defqon1 in Zukunft zu vermeiden.
Christophe Ramjoie