Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass ein Ventilator die Raumtemperatur senkt. Tatsächlich bewegt er lediglich die Luft. Die eigentliche Kühlung entsteht dadurch, dass der Luftstrom den Schweiß auf der Haut schneller verdunsten lässt. Die dabei entstehende Verdunstungskälte hilft dem Körper, überschüssige Wärme abzugeben.
Solange die Temperaturen im normalen sommerlichen Bereich liegen, funktioniert dieses Prinzip sehr gut.
Ab extremer Hitze kann sich der Effekt umkehren
Bei sehr hohen Temperaturen kann sich dieser Effekt jedoch umkehren. Ist die Luft selbst extrem heiß, transportiert der Ventilator mehr warme Luft auf die Haut, als durch die Verdunstung wieder abgeführt werden kann. Der Körper nimmt dadurch zusätzliche Wärme auf, statt abzukühlen.
Ein Gedankenexperiment macht das Prinzip deutlich: Niemand würde auf die Idee kommen, sich mit einem Föhn abkühlen zu wollen, obwohl auch er einen Luftstrom erzeugt. Entscheidend ist eben nicht der Luftzug allein, sondern auch die Temperatur der Luft.
Die Grenze hängt auch von der Luftfeuchtigkeit ab
Wann genau ein Ventilator mehr schadet als nützt, hängt nicht nur von der Temperatur, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der kühlende Effekt unter bestimmten Bedingungen bei einer Lufttemperatur von etwa 39 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von rund 50 Prozent nachlassen oder sich sogar umkehren kann. Bei höherer Luftfeuchtigkeit kann der Kipppunkt bereits unter 39 Grad liegen, bei trockenerer Luft dagegen auch darüber.
Selbst wenn sich der Luftzug dann noch angenehm anfühlt, kann er den Körper zusätzlich belasten. Das subjektive Empfinden stimmt in diesem Fall also nicht unbedingt mit der tatsächlichen Wirkung überein.
Was stattdessen hilft
Bei extremer Hitze empfehlen Experten andere Maßnahmen. Dazu gehören kühle Duschen oder feuchte Tücher, der Aufenthalt in möglichst kühlen Räumen sowie ausreichendes Trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Wichtig ist außerdem eine Einschränkung: Die Empfehlung gilt ausschließlich für Ventilatoren, die Menschen kühlen sollen. Lüfter in Computern oder anderen technischen Geräten sollten selbstverständlich weiterhin laufen, da sie die entstehende Wärme zuverlässig abführen und so eine Überhitzung der Geräte verhindern.
chip/apothekenumschau/okr