In der Ukraine, Belarus und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken wird am Sonntag der Katastrophe im damals sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl vor 40 Jahren gedacht.
Gemeinsame Gedenkveranstaltungen sind seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine nicht mehr möglich. Auf dem Kraftwerksgelände nördlich der Hauptstadt Kiew wird ein Gedenken der Staatsführung mit Präsident Selenskyj erwartet. Aufgrund des russischen Angriffskrieges und der nahen Grenze zu Russlands Verbündetem Belarus gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Zudem wird in Kiew und anderen Orten mit Schweigeminuten, Ausstellungen, Konzerten, Filmvorführungen und dem Niederlegen von Blumen an die tragischen Ereignisse erinnert.
Gedenkveranstaltungen wird es ebenfalls im sehr stark betroffenen Nachbarland Belarus, in Russland und in anderen Ex-Sowjetrepubliken geben.
Rückblick
Am 26. April 1986 geriet in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine ein Test im AKW Tschernobyl außer Kontrolle. Im Reaktor vier trat der Super-Gau ein, der größte anzunehmende Unfall. Radioaktive Wolken breiteten sich bis nach Nord- und Westeuropa aus. Doch trafen sie neben der Nordukraine vor allem das benachbarte Belarus und auch den Westen Russlands.
Monatelang sonderte die offene Atomruine Strahlung in die Umgebung ab. Experten gehen von Zehntausenden Todesfällen aus. Über 100.000 Menschen wurden aus den radioaktiv belasteten Gebieten der 30-Kilometer-Sperrzone zwangsumgesiedelt. Hunderttausende sogenannte Liquidatoren aus allen Sowjetrepubliken halfen damals bei der Beseitigung der Folgen in dem radioaktiv verstrahlten Gebiet.
Greenpeace weiter vor Ort
Auch 40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe ist das Strahlenschutzteam von Greenpeace weiterhin vor Ort im Einsatz. Aktuell gehören auch zwei belgische Energieexperten zu dem Team. Das Gebiet bleibt eine radioaktive Gefahrenzone, verschärft durch den russischen Angriffskrieg. So wurde etwa die Schutzhülle des Reaktors durch eine Drohne beschädigt.
Hunderte Fachleute arbeiten an der Sicherung des Atommülls und dem Rückbau der Anlage. Laut den Experten breitet sich die Radioaktivität weiterhin aus.
Auch die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc beobachtet die Lage in der Ukraine dauerhaft und betont, dass die Strahlungswerte in Belgien stabil seien. Ein Grund zur Beunruhigung besteht laut Fanc nicht. Die Nukleare Sicherheit brauche aber dauerhaft höchste Aufmerksamkeit.
dpa/belga/sh