Die Massenproteste im Iran halten trotz wachsender Todeszahlen, exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats und einer nahezu vollständigen Internetsperre an. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen am Samstag auf 185 Städte ausgeweitet. Mindestens 192 Menschen seien bisher getötet worden, berichtete die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo. Mindestens 2.600 Demonstranten seien festgenommen worden. Augenzeugen berichten, dass Kundgebungsteilnehmer gezielt in den Kopf und Nacken geschossen wird.
Seit vier Tagen ist das Internet gesperrt, auch Telefongespräche sind nur noch in Ausnahmefällen möglich. Es können weder SMS verschickt noch empfangen werden. Die Kommunikation mit der Außenwelt ist nur noch über das Starlink-Satellitensystem möglich, sofern die dafür notwendigen Terminals illegal ins Land gebracht wurden. Ein Nutzer schrieb auf X, die Massaker seien von größerem Ausmaß als alle Morde früherer Aufstände.
Die Proteste richten sich gegen das streng religiöse Regime im Iran. Auslöser war die schlechte Wirtschaftslage im Land. Die iranische Führung hat den Demonstranten mit harten Repressalien gedroht. Der Generalstaatsanwalt sagte im Staatsfernsehen, jeder, der an Protesten teilnehme, könne als "Feind Gottes" angesehen werden. Im Iran kann dies die Todesstrafe bedeuten.
Iran warnt USA vor Militäraktion
Der Iran hat die USA davor gewarnt, die Protestbewegung im Land militärisch zu unterstützen. Im Fall eines Angriffs, auch durch Israel, werde es Gegenschläge geben, sagte ein Parlamentssprecher in Teheran. Israel und regionale US-Militärstützpunkte seien dann legitime Ziele.
US-Präsident Trump hatte den Teilnehmern der Massenproteste gegen das iranische Regime Unterstützung zugesichert. Die "New York Times" meldet unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump erwäge ernsthaft, seine Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen.
Israels Armee sieht sich im Fall von iranischem Angriff vorbereitet
Nach der Drohung Teherans, im Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der Protestbewegung auch mit Gegenschlägen auf Israel zu reagieren, sieht sich die dortige Armee vorbereitet. Am Wochenende habe es wegen der Entwicklungen im Iran mehrere Lagebesprechungen gegeben, teilte das Militär mit. Die Proteste seien eine interne iranische Angelegenheit. Die Lage werde aber genau beobachtet.
dpa/mh