Obama: Mubarak muss Weg frei machen

US-Präsident Barack Obama hat Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak in einem persönlichen Gespräch gedrängt, sofort den Weg zur Demokratie freizumachen.

US-Präsident Obama: Ägypten hat politischen Wechsel nötig

«Ein geordneter Übergang muss bedeutungsvoll sein, muss friedlich sein und muss jetzt beginnen», sagte Obama am Dienstag in Washington. Er habe dies in einem Telefonat mit Mubarak nach dessen Rede verdeutlicht. «Er erkannte an, dass der gegenwärtige Zustand nicht aufrechterhalten werden kann.»

Der US-Präsident sagte nicht direkt, ob Mubarak sich sofort zurückziehen müsse, aber laut einem Bericht der «Washington Post» würde es die amerikanischen Regierung vorziehen, wenn der Ägypter die Macht schon vor den angekündigten Wahlen an eine Interimsregierung abgeben würde.

Lob für ägyptisches Militär

Obama lobte das ägyptische Militär ausdrücklich dafür, sich während der Massenproteste professionell und patriotisch verhalten zu haben. Er forderte es nachdrücklich auf, sich auch weiterhin für einen friedlichen Verlauf der Demonstrationen einzusetzen. Bei der Vorbereitung freier und fairer Wahlen müsse gewährleistet sein, dass verschiedene Stimmen und Oppositionsgruppen zu Wort kämen, sagte Obama weiter.

Bereits vor der Äußerung des US-Präsidenten hatten Medien berichtet, dass Obama Mubarak aufgefordert habe, auf eine weitere Amtszeit zu verzichten. Der US-Sondergesandte Frank Wisner habe diese Botschaft persönlich in Kairo an Mubarak überbracht. Dies wäre seit Beginn der Revolte in Ägypten die erste konkrete Rückzugsforderung an Mubarak aus dem Weißen Haus.

Proteste gehen nach Mubarak-Rede weiter

Proteste gegen Mubarak: Demonstranten fordern sofortigen Rücktritt

Ägyptens Präsident Mubarak will nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren. Einen Rücktritt lehnt er weiter ab. Seine Zeit als Präsident läuft im September aus, er war dann 30 Jahre lang im Amt. Vielen Oppositionellen reicht Mubaraks Ankündigung allerdings nicht aus.

Nach der Rede des ägyptischen Präsidenten sind die Rufe nach dessen Rücktritt in Kairo noch lauter geworden. Auch in anderen Städten Ägyptens dauerten die Proteste an. Im Zentrum von Alexandria kam es zu kurzen Zusammenstößen.

In einer ersten Reaktion zeigte sich die Jugendbewegung 6. April enttäuscht vom Angebot des 82-Jährigen, im September nicht erneut zu kandidieren.

Ein Sprecher der Bewegung sagte in Kairo, die Bewegung werde die Proteste fortsetzen, bis ihre Forderungen erfüllt seien, besonders die Forderung nach dem Rücktritt Mubaraks und seines Regimes. Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei zeigte sich ebenfalls enttäuscht.

Jemenitischer Präsident will keine neue Amtszeit…

dpa/jd/es - Bilder: Mark Wilson und Hannibal Hanschke