Australien liebt „Karen’s Diner“

Restaurants sind normalerweise stolz auf ihren guten Service. Anders im australischen "Karen's Diner": Hier werden Gäste angepöbelt und extra schlecht bedient. Das kuriose Konzept kommt so gut an, dass die Kette jetzt weltweit expandiert.

Restaurant (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / pxhidalgo)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / pxhidalgo

„Karen’s“ ist ein Restaurant-Erlebnis der anderen Art – und zwar vom Eintritt an. Erst werden die Gäste gut fünf Minuten lang ignoriert, dann schleicht eine Kellnerin in rot-weißer Schürze heran und fragt genervt: „Haben Sie reserviert?“. Sagt man „ja“, heißt es: „Na, dann können Sie ja auch noch etwas warten“. Und die Kellnerin geht wieder. Irgendwann kommt die Kellnerin dann zurück und die Gäste folgen ihr an den Tisch. Auf den wirft sie dann aus zwei Metern Entfernung die Menükarten. Die fallen natürlich auf den Boden, damit die Gäste sie aufheben müssen – auch das ist volle Absicht im „Karen’s Diner“ in Sydney.

„Tolles Essen, schrecklicher Service“, lautet dann auch der Leitsatz. Der ist schon an der Fassade des Lokals zu lesen. Und wer sich rein traut, der muss sich an eine Verhaltensregel halten, die auch auf einem Schild vermerkt ist: Hinsetzen und Klappe halten!

Das Original von „Karen’s Diner“ wurde erst letztes Jahr in Sydney eröffnet. Es kommt offenbar so gut an, dass es zu einer Kette gewachsen ist. Inzwischen gibt es eine zweite Filiale in Sydney, außerdem Restaurants in Melbourne, Brisbane und Gold Coast. In Großbritannien öffneten Zweigstellen in Sheffield und Manchester. Weitere Standorte sind in den USA, Kanada und Neuseeland geplant. Auch Amsterdam kriegt im August sein „Karen’s Diner“.

Der Name „Karen“ ist seit einigen Jahren vor allem in Amerika ein Spottname, der für einen bestimmten Frauentyp steht. Damit werden verbitterte weiße Frauen mittleren Alters bezeichnet, die sich unverschämt und nervig benehmen, ständig irgendwelche Rechte einfordern und Ansprüche anmelden. Wer im echten Leben keine solche Karen ist, sich aber mal benehmen will wie eine, der ist aufgefordert in das Restaurant zu kommen. Ein Ort, so sagen die Macher, an dem der Gast sich beschweren könne, bis der Arzt kommt, weil es buchstäblich niemanden interessiere.

Ein Beispiel: Eine Asiatin hatte statt Fleisch- oder Hähnchenburger die vegane Variante bestellt. Die Kellnerin hatte daraufhin ein Mikrofon in die Hand genommen, mit dem Finger auf die Frau gezeigt und gerufen: „Wir haben eine Veganerin im Raum! Buuuuuh!“. Und dann ist ein „Buh“-Chor durchs Lokal schallt, gefolgt von lautem Gelächter.

Auf keinen Fall sollte man das, was da passiert, persönlich nehmen. Es wird gelästert und veräppelt, was das Zeug hält und es fallen wohl auch derbe Schimpfwörter. Jugendliche unter 16 Jahren kommen deshalb nur rein, wenn sie in Begleitung von Erwachsenen sind. Wer übrigens wirklich Karen heißt, bekommt ein Freigetränk.

dpa/hln/jp