Facebook überprüft Meldeverfahren wegen Mordvideo

Facebook überprüft nach der Veröffentlichung eines Mordvideos in den USA die Möglichkeiten zum Melden von Gewalt auf der Plattform. Die Polizei hat bei der Fahndung nach dem Verdächtigen eine Belohnung von 50.000 US-Dollar ausgesetzt.

Facebook ist wegen der neuen Nutzungsbedingungen in die Kritik geraten - auch die Behörden haben Bedenken

Das Online-Netzwerk habe das Profil des mutmaßlichen Täters 23 Minuten nach dem ersten Nutzer-Hinweis auf das Video mit dem Todesschuss gesperrt, schrieb Facebook-Manager Justin Osofsky in einem Blogeintrag in der Nacht zum Dienstag. Allerdings war es damit gut zwei Stunden online.

Zudem löste ein rascher Hinweis auf einen Facebook-Livestream, bei der der Verdächtige einen Mord gestand, zunächst keine Sperre aus. „Wir wissen, dass wir besser werden müssen“, schrieb Osofsky.

Der Mord hat die Diskussion darüber neu angeheizt, ob Facebook mehr gegen Gewaltdarstellung unternehmen müsse – und eventuell auch von sich aus nach solchen Inhalten suchen soll, statt sich auf Hinweise von Nutzern zu verlassen.

Osofsky schrieb, künstliche Intelligenz werde zwar eingesetzt, aber nur um die Weiterverbreitung von Gewaltvideos in Gänze zu verhindern. Fragmente dürften weiterhin geteilt werden, zum Beispiel in Berichten über Ereignisse.

Für Facebook könnte die Kontroverse die Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San Jose überschatten, die Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstag (ab 19.00 Uhr MESZ) eröffnen will.

Polizei setzt Belohnung aus

Die Polizei hat inzwischen eine Belohnung von 50.000 US-Dollar ausgesetzt. Das sagte der Bürgermeister von Cleveland, Frank Johnson, am Montag bei einer Pressekonferenz. Der Verdächtige Steve Stephens soll sein Opfer am Osterwochenende erschossen und ein Video der Tat bei Facebook veröffentlicht haben. Die Sicherheitsbehörden suchten landesweit nach dem 37-Jährigen.

Clevelands Polizeichef Calvin Williams rief ihn am Montag erneut dazu auf, sich zu stellen. Über das Motiv herrschte Rätselraten. Es scheint, als habe Stephens sein 74 Jahre altes Opfer einfach auf der Straße nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und kaltblütig erschossen.

dpa/orf/rkr/est - Illustrationsbild: Thierry Roge/BELGA

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150