Künstlerin Louise Bourgeois gestorben

Louise Bourgeois ist tot. Die französisch-amerikanische Künstlerin starb im Alter von 98 Jahren in New York. Sie erlag einem Herzinfarkt.

Bourgeois beeindruckte auch mit meterhohen Spinnen, unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken

Bourgeois beeindruckte auch mit meterhohen Spinnen (hier 2006 in Blankenberge), unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken

Louise Bourgeois, eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart, ist tot. Die französisch-amerikanische Künstlerin starb im Alter von 98 Jahren in New York. Sie erlag einem Herzinfarkt. Das teilte ihre Agentin mit.

Die 1911 in Paris geborene Bourgeois galt als Grande Dame der Gegenwartskunst. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Museen vertreten, darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Centre Pompidou in Paris und in der Londoner Tate Gallery.

1993 bestückte Bourgeois den amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 1999 wurde sie als Teilnehmerin dieser Kunstschau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Frankreich hatte sie 1938 für ihren Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art, verlassen.

Louise Bourgeois galt zeitlebens als eine Künstlerin mit großen Selbstzweifeln – in Bezug auf ihre Rolle als Tochter, später als Ehefrau, Mutter und Künstlerin. „Ich habe Angst vor allem, einfach vor allem“, sagte sie einmal. Die Sorge, Anforderungen der Familie nicht gerecht zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk der Künstlerin.

Zu den frühen Motiven der Bildhauerin gehört der nackte weibliche Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Zehn Jahre lang, von 1945 bis 1955, befasste sich die dreifache Mutter immer wieder mit der ‚Femme Maison‘, deren Zuhause gleichzeitig ein Gefängnis ist.

Persönliche Enttäuschungen und tiefer Schmerz spiegeln sich in den Installationen der Bildhauerin ebenso wie Hass und Wut. „The reticent child“» (Das verschlossene Kind) nannte sie im Jahr 2003 eine Anordnung von vier weiblichen und zwei kindlichen Figuren, zwischen denen es keine Annäherung gibt. Louise Bourgeois verarbeitet darin die Trauer über das Verhältnis zu ihrem Sohn Alain, einem Jungen, der die Liebe seiner Mutter nicht erwidern konnte.

„Es ist schwer, ein Künstler zu sein und die Tür zu den Träumen verschlossen zu halten“ Louise Bourgeois

Von drastischer Kompromisslosigkeit ist das 1974 entstandene altarähnliche Werk „Destruction of the father“ (Zerstörung des Vaters). Mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres dominanten Vaters richtete – und ehrte – Louise Bourgeois den Mann mit einem kannibalistischen Mahl, das in rotes Licht getaucht ist.

Aus Stoff-Fetzen genähte lebensgroße Puppen von Bourgeois – mit meist üppigen Brüsten, Stummelarmen und unübersehbarem weiblichen Genital – betonen die Opferrolle der Frau, und unterstreichen einmal mehr den Ruf der gebürtigen Pariserin als radikal-feministische Künstlerin.

dpa / es

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