Ernährung: Zu gesund kann auch krank machen

Was die Ernährung angeht, gibt es ja ganz viele verschiedene Meinungen. Eins ist aber sicher: Wir sollten unserem Körper das geben, was er braucht. Gesund essen ist dabei aber nicht alles.

Ernähren Sie sich gesund? Viel Gemüse und Obst? Und lassen abends vielleicht die Schokolade weg, obwohl Sie da gerade so richtig Lust drauf haben?

Zu sehr auf gesunde Ernährung zu achten, das kann sogar ins Gegenteil umschlagen. Die Ernährungsberaterin Ann Vandeputte erklärt in der Tageszeitung DeMorgen, warum das passieren kann. Zu gesundem Leben gehört eben noch viel viel mehr als nur das Essen. Gesundheit ist auch ein sozialer und psychischer Aspekt.

Vandeputte sagt zum Beispiel, dass sie von Menschen hört, die nicht mehr auf Geburtstagsfeiern gehen, weil da Fritten angeboten werden oder nach einer Wanderung nicht mehr in ein Restaurant einkehren, damit sie nur gar nichts „schlechtes“ zu sich nehmen. Und das ist dann absolut nicht mehr gesund.

Der springende Punkt ist: Der Gesundheitswahn geht irgendwann zu Lasten der Lebensqualität. Die Expertin sagt dazu, durch den übertriebenen Fokus aufs Essen verzichten wir auf sehr viel Spaß und Freude. Wenn das Essen unser Leben bestimmt, wird es richtig gefährlich – denn dann kann es auch zu Essstörungen kommen.

Es gibt ein paar einfache Regeln, die man beachten sollte, sagt Vandeputte. Und die kennen die meisten wahrscheinlich auch schon: Drei Mahlzeiten am Tag und dann noch zwei kleine Zwischenmahlzeiten – das brauchen wir, um über den Tag zu kommen. Bei der Auswahl sollte man noch darauf achten, welche Lebensmittel gerade Saison haben – mehr sollte man über Essen nicht nachdenken. Dann ist es dann auch ok, wenn man zwischendurch mal sündigt, denn Fritten und Co. werden dann ganz automatisch wieder ausgeglichen. Der springende Punkt lautet: Umso abwechslungsreicher wir uns ernähren, desto gesünder leben wir.

DeMorgen zitiert auch noch einen anderen Experten, Christophe Mathys. Viel Gemüse und Obst zu essen, sei natürlich richtig, um den Körper mit Vitaminen zu versorgen, so Mathys. Aber: Unser Körper braucht auch bestimmte Fette und Kohlehydrate – deshalb sei auch der ein oder andere Hamburger mal ok. Und Genuss ist für ihn auch ein wichtiger Punkt. Was bringt dir das, wenn du gerade Lust auf Schokolade hast, aber dann nur wenig begeistert Reiswaffeln ist – weil das in Anführungszeichen „gesünder“ ist? Essen ist eben nicht nur etwas Funktionales.

DM/Lena Orban