Alpenstudie zur Schneesaison

Noch in den 1970er Jahren konnten Touristen in den Alpen bis zu einen Monat länger Ski fahren als heute. Das zeigt eine internationale Langzeitstudie, die jetzt in Bozen in Südtirol vorgestellt wurde.

Blick auf das Matterhorn

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / tsuguliev

Die an der Studie beteiligten Forscher sehen einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Klimawandel, obwohl sie nicht direkt danach geforscht haben. Ein weißer Winter ist Schnee von gestern, so könnte man das Ergebnis der Untersuchung zusammenfassen. Ein Winter dauert nicht mehr von November bis Mai, wie das noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.

Die Forscher unter der Leitung des Südtiroler Instituts Eurac Research in Bozen haben für ihre Studie Daten Hunderter Messstationen in Italien, der Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland und Slowenien ausgewertet. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Schneesaison je nach Höhenlage und Region um 22 bis 34 Tage kürzer geworden ist.

Die Erderwärmung ist vor allem im Winter spürbar. Weil die Durchschnittstemperaturen auch in den Alpen ansteigen, gibt es weniger Frosttage und der Schnee bleibt weniger lange liegen – wenn es denn schneit. Denn aufgrund höherer Temperaturen schneit es allgemein weniger, dafür regnet es mehr. Zwar haben die Forscher nicht explizit den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Schneedecke untersucht, aber dass es ihn gebe, sei „klar“, sagen sie. „Es ist klar, dass der Schnee aufgrund höherer Temperaturen früher und schneller schmilzt und Niederschlag als Regen statt als Schnee fällt“, sagte Michael Matiu, der bei Eurac Research am Institut für Erdbeobachtung forscht.

Schlechte Neuigkeiten für viele Skigebiete

Für die Skigebiete, die unter 2.000 Metern liegen – wie das französische Val d’Isère oder Garmisch-Partenkirchen in Bayern -, kann das das Aus bedeuten. Denn selbst wenn es gelingen würde, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, würde die Schneemenge in diesem Jahrhundert um 30% sinken – das hat schon eine Untersuchung vor vier Jahren gezeigt. In höheren Lagen sieht es besser aus. Aber auch hier wird es für den Wintersport zunehmend eng: Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung in der Schweiz schätzt, dass die natürliche Schneedecke bis zum Jahr 2100 um 70 Prozent abnehmen wird.

Der Schnee ist auch wichtig für den Wasserhaushalt in den Bergen. Wenn die Schneeschmelze mit dem Regen des Frühjahrs zusammenfällt, dann kommt es in den Bergen zu mehr Lawinen und Schlammabgängen, das führt in Tälern zu Überschwemmungen. Dann wird es für die Menschen ungemütlich, auch Tiere und Pflanzen sind bedroht.

br/dpa/spiegel