Vernunftehe: GrenzEcho übernimmt Radio Contact

Die ostbelgische Medienlandschaft ordnet sich neu: Ab sofort ziehen der private Rundfunksender Radio Contact aus Eupen und die Tageszeitung GrenzEcho an einem Strang. Mit gemeinsamen Inhalten und vor allem einer gemeinsamen Werbeabteilung, denn der lokale Anzeigenmarkt ist hart umkämpft. Die neue Vernunftehe soll beide Häuser stärken.

Olivier Verdin (GrenzEcho) und André Goebels (Radio Contact) vor dem GrenzEcho-Gebäude in Eupen

Gemeinsam soll die Talfahrt gestoppt werden. Seit Jahren ist die Auflagenzahl der Zeitung rückläufig. Von einst 15.000 Exemplaren werden heute noch rund 11.500 gedruckt. Und auch der Anzeigenmarkt wird mehr und mehr zum hart umkämpften Geschäft. Nun reichen sich die Tageszeitung und Radio Contact die Hand:

„Für uns ist es sehr wichtig, dass wir komplementär zur Print- und auch zur Onlineausgabe einen Radiosender haben, der unsere Mitteilungen auch anreißt – anteast, wie man so schön sagt – und andererseits für unsere Werbekunden ein neues Portfolio bietet“, erklärt GE-Geschäftsführer Olivier Verdin.

„Wir bieten unseren Kunden mittlerweile fünf bis sechs verschiedene Sparten an. Das fängt bei Print, Online und Magazinen an und wir machen Messen und verschiedene Veranstaltungen. Man muss den Kunden heutzutage eine breite Produktpalette bieten und deshalb dieser Schritt.“

Fakt ist: Kaum eine Branche ist so stark im Wandel wie die Medien. Die letzte Neuausrichtung des Grenz-Echo in Sachen „Video“ war groß angelaufen. Mittlerweile ist von der Bewegtbildoffensive nicht mehr viel zu sehen. Die Geschäftsführung gibt zu: Man hat den Aufwand unterschätzt.

„Im Moment haben wir wenige Videos. Wir haben natürlich die Sendung von Adrian Küchenberg ‚Zwischen Tür und Angel‘. Aber selbst gemachte Videos kommen im Moment wirklich zu kurz bei uns. Und da werden wir dran arbeiten, da auch in Zukunft präsenter zu sein.“

Print, Online, Video und jetzt auch noch Radio. Wie das alles zu stemmen ist? Dazu fehlen bislang das nötige Knowhow und auch ein konkretes Konzept. „Es geht darum, Synergien zu schaffen. Es geht darum, Informationen sehr schnell an die Hörer und Hörerinnen zu bringen. Und das können sicherlich auch Zeitungsredakteure sehr gut. Sie müssen keine Sendung moderieren. Es geht darum, dass sie das machen, was sie können: News verbreiten“, erklärt Contact-Geschäftsführer André Goebels.

Mehr schreiben, mehr produzieren, mehr senden – leidet darunter nicht die Qualität? „Man muss natürlich filtern, man muss besser auswählen können. Das tun wir ja auch. Wir werden noch verstärkt auf lokale Inhalte setzen. Das ist ja das Kernprodukt des GrenzEcho und das wird auch in Zukunft so sein“, sagt GE-Redakteur Christian Schmitz.

16 Vollzeitstellen umfasst die GrenzEcho-Redaktion. Die Journalisten selbst wissen nicht, wie ihre Arbeit in Zukunft aussehen soll. Neueinstellungen soll es keine geben. „Wir werden eher einsparen. Die Zeiten in der Medienbranche sind sehr hart. Wir werden mit Sicherheit keine neuen Leute einstellen im Moment“, erklärt Verdin.

„Ich glaube, dass man heute in den schwierigen Zeiten der Medienbranche flexibler sein muss, mehr leisten muss und ich glaube, dass unsere Redaktion mittlerweile bereit ist, diesen Schritt zu gehen.“ Wann genau es mit gemeinsamen Inhalten soweit sein soll, steht ebenfalls nicht fest. Im Juni werde man sehen, wo man steht. Und auch die Stelle der Chefredaktion ist weiterhin unbesetzt.

Zeitungsstapel in der GrenzEcho-Redaktion

Konkreter wird es in Sachen Werbung. „Wir werden versuchen, für Radio Contact die nationale Werbung zurück zu bekommen. Da sieht es sehr gut aus. In den nächsten Wochen finden noch die letzten Gespräche statt und da werden wir uns natürlich ein Stück vom Werbekuchen holen. Beim hiesigen Anzeigenmarkt wird natürlich der Kunde entscheiden, wo er Werbung machen will. Und dann muss man sehen, wo es hingeht“, so Verdin.

Dabei stützen sich Radio Contact und GrenzEcho auf Zahlen des RTL-Vermarkters IP. Demnach erreicht Radio Contact 13.000 Hörer in der DG. Unabhängige Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Forsa positionieren den Eupener Sender abgeschlagen an fünfter Stelle mit einer Hörertagesreichweite von vier Prozent. Der BRF erreicht 50 Prozent.

„Statistiken sind Statistiken“, sagt Goebels. „Laut IP haben wir 13.000 Hörer in der DG. Wir wissen, dass wir sehr erfolgreich arbeiten und das ist sicherlich auch die Basis unserer Zusammenarbeit. Und wenn wir dann doch von den vier Prozent ausgehen, dann hoffen wir, dass wir in drei Jahren bei 52 Prozent sind, dann haben wir das ja schon ganz gut entwickelt.“

„Wir haben beide sehr gute Inhalte, beide Medienhäuser haben sehr gute Produkte. Und wir gehen zusammen, um diese Produkte weiter zu entwickeln. Wir wollen ja auch irgendwo hin. Jedes Kind wächst, lernt dazu – und das werden wir auch tun.“

Mit 51 Prozent der Anteile hat sich das Grenz Echo die Mehrheit bei Radio Contact gesichert. Bei der Vernunftehe werden die Zeitungsmacher somit künftig beim Radio den Ton angeben.

Text und Bilder: Simonne Doepgen

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Ein Kommentar
  1. Erik Markens

    Ihr solltet vielleicht mal klarstellen, dass es sich bei Radio Contact nicht um den Sender aus Brüssel handelt, denn DAS wäre eine Sensation.
    Der Eupener Sender ist ja nun wirklich keine große Sache……

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