Online-Portabilität: Abos sollen bald auch im EU-Ausland gelten

Europa ohne Grenzen? Im Internet stimmt das längst nicht immer. Wenn man zum Beispiel ein Abo hat und für einen Online-Streaming-Dienst zahlt, dann kann man dieses Angebot im Urlaub im Ausland nicht nutzen.

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Online-Portabilität: Abos sollen bald auch im EU-Ausland gelten - Pascal Arimont bei Roger PintMP3

Bislang ist es so: Jemand hat ein Abo bei Netflix oder bei Spotify. Diese Person ist im Urlaub im Ausland, und möchte die letzte Folge ihrer Lieblingsserie schauen. Leider geht das nicht, was ärgerlich ist. Schließlich hat diese Person dafür bezahlt. Aber: Hier gibt es, Europa hin oder her, immer noch die alten Grenzen. Grund ist das immer noch praktizierte „Geo-Blocking“: Wenn sich ein in Belgien angemeldeter Nutzer im Ausland befindet, dann kann er keine Inhalte einsehen, die nur auf dem belgischen Markt verfügbar sind. So ist das nunmal.

Das soll sich bald ändern. Das EU-Parlament hat jetzt eine Richtlinie verabschiedet, die dieses „Geo-Blocking“ in diesem speziellen Fall aufhebt. Portabilität, so lautet das Zauberwort. Man nimmt sein Abo einfach mit. Die Richtlinie soll Anfang kommenden Jahres in Kraft treten. Und das ist umso interessanter, als ja in weniger als einem Monat die Roaming-Gebühren wegfallen. Dann erst recht ist also grenzenloses Streaming angesagt.

Portabilität, „ich nehme mein Abo mit“, das heißt aber im Umkehrschluss, dass man immer noch nur das Angebot einsehen kann, für das man auch bezahlt hat. Nun könnte sich ein Neunmalkluger sagen: „Gut, dann abonniere ich eben zum Beispiel Netflix oder einen Dienst im Ausland – im vorliegenden Fall in Deutschland – und dann kann ich das deutsche Angebot auf der Grundlage der neuen Richtlinie dann in Belgien nutzen. Das allerdings geht nicht.

Dafür gibt es einen Grund, der tatsächlich auch nachvollziehbar sein mag. Diese Grenzen, die es in diesem Bereich immer noch gibt, die sind im Augenblick insbesondere für die Filmindustrie immer noch von geradezu existentieller Bedeutung. Die Folgen liegen auf der Hand: Wenn die europäischen Studios ihre Filme nicht mehr rentabilisieren können, dann würden bald nur noch amerikanische Produktionen in Europa gezeigt. Die Kosten haben die Studios ja schon auf dem amerikanischen Markt amortisiert.

Und das ist eben der Hauptgrund dafür, dass es gerade im Kreativbereich immer noch Grenzen gibt. Was eben auch gerade für die Deutschsprachigen in Belgien zur Folge hat, dass man in der Regel oft nur auf Inhalte auf Französisch oder Niederländisch, oder eben in Originalsprache zurückgreifen kann. Die Lösung, das wäre langfristig eine „europäische Lizenz“, sagt Pascal Arimont; und die Richtlinie zur Portabilität, das wäre ein erster Schritt in diese Richtung.

Berichterstatter in dieser Angelegenheit war der ostbelgische Europaabgeordnete Pascal Arimont.

Roger Pint - Bild: Benoit Doppagne/BELGA

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