OpenVLD-Chefin will komplette (auch finanzielle) Trennung von Staat und Kirche

Die liberale Partei OpenVLD will eine Debatte darüber anstoßen, die finanzielle Unterstützung des Staates für Religionsgemeinschaften längerfristig abzuschaffen. Das sagte die OpenVLD-Vorsitzende Gwendolyn Rutten in einem Gespräch mit der Zeitung De Standaard.

Gwendolyn Rutten (Bild vom 27. Mai 2015)

Gwendolyn Rutten sprach sich dafür aus, dass die Trennung zwischen Kirche und Staat komplett sein müsste. Religionsgemeinschaften sollten keine Subsidien vom Staat erhalten, sondern sich selber tragen. Wie das konkret ablaufen soll, sagte Rutten nicht.

Für eine Abschaffung der staatlichen Unterstützung müsste allerdings das Grundgesetz abgeändert werden, und zwar Artikel 181 des Grundgesetzes.

Rutten forderte in dem Standaard-Interview auch Ermittlungen über alle türkischen Diyanet-Moscheen in Flandern. Wenn sich herausstellen sollte, dass in den Moscheen von der Türkei politische Propaganda betrieben werde, dann müsste diesen die Anerkennung entzogen werden.

belga/vrt/est - Bild: Jonas Roosens/BELGA

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12 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Warum ein System abschaffen, dass sich seit Generationen bestens bewährt hat ? Die christlichen Kirchen und die anderen Religionen sind Stabilitätsfaktoren und Ordnungshüter in der Gesellschaft. Durch die Finanzierung hat der Staat auch eine Kontrolle über die Religionen. Und das ist sehr wichtig in einer Zeit des wachsenden religiösen Fanatismus.

    Wenn man den Religionen das Geld streichen will, kann man auch direkt alle Vereinszuschüsse streichen. Wenn Religion angeblich Privatsache ist, dann ist es die Freizeitgestaltung in den Vereinen erst recht.

  2. Kerstges Angela

    Richtig, Herr Scholzen ! Doch unsere Gesellschaft verfällt seit längerem noch tiefer, als sie es eh schon ist, in eine emotionale Blindheit. Ich bezweifle, ob dem noch abgeholfen werden kann

  3. Alexander Hezel

    Der einzige „Stabilitätsfaktor“ in Bezug auf Religionen liegt darin, dass sie vom Staat getrennt sind (im Prinzip). Überall da, wo Religionen Überhand haben (Naher Osten, Afrika, Südamerika, Indien, usw.), kann man wohl kaum von „Stabilität“ reden. Wenn die religionsbasierte „Ordnung“ sich dadurch manifestiert, dass alle Nicht- oder Andersgläubigen in ihrer Freiheit eingeschränkt sind, ihrer beraubt werden oder einfach getötet werden, dann setze ich lieber auf eine andere, eine aufgeklärte und sekuläre Ordnung.
    Fast 80% der 580 Millionen an staatlichen Geldern gehen an die katholische Kirche, wobei sich gerade einmal 40% der Belgier als Katholiken identifizieren (zumindest auf Papier) – ist das etwa ein „bewährtes System“?
    Irgendwann werden die Menschen einsehen, dass es auch Glück, Moral, und Hoffnung außerhalb von Religionen und deren absolutistischen Monarchien (zu denen auch die katholische Kirche bzw. der Vatikanstaat zählt) gibt.

  4. Oliver Keller

    Da bin ich ganz bei Ihnen, Herr Hezel ! Ich sehe nicht ein, warum Religionsgemeinschaften vom Staat überhaupt Geld bekommen ! Gerade die Katholische Kirche hat Vermögen ohne Ende, und das meiste davon durch nicht gerade christliche Taten ! Das System ist krank und überholt ! Wer sich mit seiner Religion verbunden fühlt, kann dieses ja privat finanziell regeln.

  5. Kerstges Angela

    und genau dafür habe ich mich seit längerem entschieden, Herr Keller ! Übrigens ,auch ich „durfte“ erfahren, dass die katholische Kirche über ein immenses Vermögen verfügt, solange die „Katholische Kirche“ dergestalt intransparent ihr Vermögen verwaltet, sind kaum Chancen, dass sie einen verbesserten gesellschaftlichen Zuspruch erhalten kann

  6. Christian Voigt

    Da muss ich den Herrn Scholzen Recht geben. Wieso nicht den Vereinen das Geld auch streichen. es befinden sich ja auch nicht 100% der Belgier in Vereinen.
    Frau Kerstges,
    Ich denke auch dass die Kirche viel Geld hat, aber, wie Herr Hezel schon bemerkt hat, 40% sind Katholiken. Wenn ich jetzt aber hoffen muss dank den Einkommen dieser 40% zu überleben, dann komme ich nicht weit. Vergessen Sie nicht (vielleicht gehören Sie auch dazu) dass viele dieser Katholiken sehr gerne Taufe, Kommunion, Firmung, Weihnachten, Hochzeit und Beerdigungen dort abhalten. Wenn die Kirche von denen überleben soll, dann können Sie sich ausrechnen wie lange die Kirche das schaffen kann. Wenn man nur ausgaben hat, dann ist auch der grösste Reichtum irgendwann aufgebraucht. Ohne Geld keine Kirche, ohne Kirche keine Feier.

  7. Wotschke Anja

    @ Herr Voigt, um zu feiern benötigt man nicht zwingender Weise die Kirche, weder die Katholische noch die Protestantische – Evangelische……denn eine Taufe, die Kommunion, die Firmung, Weihnachten, Hochzeit und Beerdigung kostet der Kirche theoretisch doch nichts – die Kosten für all diese Festlichkeiten tragen immer noch die Angehörigen von Eltern über Großeltern bis hin zu Tanten , Onkel und und und…..wo bezahlt denn da die Kirche irgendwas ? unter anderem sind einige dieser Feste schon lange nicht mehr Christlich oder Kirchlich anzusehen sondern sind die reinsten Konsumfeste.

  8. Frank Bosch

    @Herr Hezel : Ihr Zitat : >> Fast 80% der 580 Millionen an staatlichen Geldern gehen an die katholische Kirche, wobei sich gerade einmal 40% der Belgier als Katholiken identifizieren, ist das etwa ein „bewährtes System“? <<
    Ihre Prozentrechnung "hinkt", da die jeweiligen 100% nicht die gleichen sind (1x die Summe der Gelder für einen Teil der Belgier, andererseits die Summe aller Belgier) : 580 Mio € gehen an die "anerkannten Religionen", nicht an "alle Belgier". Wenn die katholische Kirche 80% von diesen Geldern erhält, dann erhalten die anderen Religionen 20% davon.
    Gehen wir mal von 10 Mio Belgiern aus, dann sind die 40% Katholiken 4 Mio, die anderen Religionen 1/4 davon, d.h.1 Mio Belgier. Es gibt m.E. also bei der Verteilung der Gelder an die anerkannten Religionen keine Unverhältnismäßigkeit für die Katholiken, wie Sie bewehren, allerdings gehen 50% bzw. 5 Mio Belgier, die keiner Religion angehören, leer aus…

  9. Dieter Leonard

    „Der Glaube lebt vom Gläubigen, nicht umgekehrt – wie gern der Gläubige dies auch glaubt. Dafür sorgen die wenigen, die tatsächlich vom Glauben leben, wenn auch von dem der andern mehr als vom eignen, was der Gläubige aber nicht glaubt.“
    K.H. Deschner (deutscher Schriftsteller)

    In der Geschichte der Religionen waren diese nie „Stabilitätsfaktor“ sondern wohl eher ein Faktor der Unterdrückung und Unfreiheit der Menschen.
    Die Kirche als „Ordnungshüter“ in der Gesellschaft zu bezeichnen ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die für Menschenrechte, für Gleichberechtigung und gegen Missbrauch nicht mit sondern gegen die Kirchen gekämpft haben.
    Weder mit noch ohne Finanzierung hat der Staat Kontrolle über die Religionen.
    In dem, was die Kultusträger an (Aber)-Glauben in den Kirchen, aber auch in den Schulen verbreiten, sind sie weitestgehend vogelfrei.
    Aber es stimmt, ohne Religionen gäbe es keinen religiösen Fanatismus.

  10. Alexander Hezel

    @ Frank Bosch: Die 100% ’sind die gleichen‘, denn die 479 Mio. sind der staatliche Gesamtaufwand für alle Glaubens- und Nichtglaubensgemeinschaften, nicht nur für die Religionen. Die 40% betreffen die gesamte Bevölkerung – demnach steht der Gesamtaufwand der Gesamtbevölkerung gegenüber, also 100% gegenüber 100%.

  11. Christian Voigt

    Frau Wotschke,
    Wenn die Kirchen zerfallen weil der Unterhalt der Gebäude finanziell nicht mehr tragbar sind, würde ich gerne wissen wo die Feier abgehalten wird. Wenn ich von Feier spreche, meine ich nicht das Saufgelage der Personen die jeden Anlass brauchen um sich volllaufen zu lassen, oder des Festes des Konsums. Ich spreche hier vom kirchlichen Fest. Daher meine Bemerkung, Ohne Geld keine Kirche, ohne Kirche keine Feier. Es sei denn, Gottesdienste werden demnächst in Ihrem Wohnzimmer gehalten, was ich allerdings bezweifle.

  12. Marcel Scholzen eimerscheid

    Man sollte bedenken, dass die christlichen Kirchen Institutionen sind, die auch dann funktionieren, wenn die staatlichen Institutionen nicht mehr funktionieren oder von der Bevölkerung abgelehnt werden. So war es zum Beispiel bei der Wende 1989/90 in der DDR. In dieser Zeit boten vor allem die evangelischen Kirchen der Opposition die Möglichkeit, ihre Infrastruktur für politische Arbeit zu nutzen. Dies hatte wesentlich mit zur friedlichen Revolution beigetragen. Viele evangelische Pfarrer oder deren Familieangehoerigen (Merkel, Gauk, etc) sind in die Politik gegangen. Ohne evangelisches Pfarrhaus wäre die Wende anders verlaufen. In Polen war es vor allem die katholische Kirche, die gegen das kommunistische Regime Widerstand geleistet hat. Sie vor allem machte die Gewerkschaft Solidanorsc möglich. Wenn man jetzt solchen Institutionen in ihrer Existenz gefährdet, so leistet man ungewollt einer Diktatur Vorschub.

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