Die Presseschau von Mittwoch, dem 10. Mai 2017

Die Zeitungen machen mit dem Einzug von Blanche in das Finale des Eurovision Song Contest auf. An Flanderns Universitäten herrscht derweil fast schon offener Krieg. Ärger gibt es auch um die Arbeitsinspektion. Und schließlich geht es noch um den neuen Sicherheits- und Justizplan.

KUL-Rektor Rik Torfs

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„Blanche zittert sich ins Finale“, titeln Het Laatste Nieuws und Het Nieuwsblad. „Bei Blanche lagen die Nerven blank“, so die Schlagzeile von Het Belang van Limburg.

Die Brüsseler Sängerin Blanche hat am Dienstagabend mit ihrem Song „City Lights“ den Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest geschafft. Das allerdings ganz knapp: Sie wurde als letzte der zehn Finalisten aufgerufen. Wie schon bei den Proben wirkte Blanche auch gestern Abend wieder sehr nervös. Am Ende hat es aber doch gereicht.

Offener Krieg an Flanderns Universitäten

In Flandern sorgt derweil die Wahl eines neuen Rektors an der Katholischen Universität Löwen für mächtig Wirbel. „Rik Torfs wurde vom Thron gestoßen“, bringt es De Morgen auf den Punkt. Der ehemalige CD&V-Politiker war seit vier Jahren Rektor der KUL und ist in Flandern ein sehr bekanntes Gesicht.

Und doch hat er „ganz knapp verloren“, wie Het Laatste Nieuws festhält: Sein Herausforderer, der Wirtschaftsprofessor Luc Sels konnte am Ende 48 Stimmen mehr auf sich vereinen; und das bei etwas mehr als 2.000 abgegebenen Stimmen. „Die KUL überrascht mit der Wahl von Luc Sels“, schreibt denn auch De Standaard auf Seite eins.

Der Wahl vorausgegangen war ein ziemliches Getöse. Herausforderer Luc Sels hatte noch vor einigen Tagen Beschwerde eingereicht wegen angeblicher Wählermanipulation durch Mitarbeiter des bisherigen Rektorats.

Auch an der Uni Gent schlägt die Wahl eines neuen Rektors hohe Wellen: Auch nach dem inzwischen vierten Wahlgang konnte noch kein Sieger ermittelt werden. Mittlerweile ist der Lehrkörper an der Universität offenbar tief gespalten.

Die flämischen Unis haben sich in den letzten Tagen weiß Gott nicht mit Ruhm bekleckert, beklagt De Morgen in seinem Leitartikel. In Gent herrscht inzwischen offener Krieg. In Löwen konnte man länger den Schein von Höflichkeit wahren, bis die Wahl eines neuen Rektors auf der Ziellinie doch noch für eine Schlammschlacht sorgte.

Da kann man nur hoffen, dass diese beiden Episoden nicht am Ende schlafende Hunde wecken. Konkret: Es wäre bedauerlich, wenn deswegen jetzt das Modell der Mitbestimmung in Frage gestellt würde.

Kinderschutz oder Überreaktion?

Immer noch in Flandern sorgt eine bizarre Polemik für Diskussionsstoff: Die Arbeitsinspektion hatte einige Betriebe der Kinderarbeit beschuldigt. Konkret ging es um einen Fall, bei dem der zehnjährige Matteo an einem Marktstand seiner Eltern den Kühlschrank mit Getränken füllte.

Dass die Inspekteure das als „Kinderarbeit“ einstuften, sorgte für einen Sturm der Entrüstung; Besonders scharfe Kritik kam von der Selbstständigen-Vereinigung UNIZO. Der zuständige föderale Staatssekretär für Betrugsbekämpfung, Philippe De Backer, pfiff daraufhin den Dienst zurück. Zugleich lancierte er auf Twitter eine Kampagne unter dem Stichwort „Helfen ist normal“.

Het Nieuwsblad kritisiert dafür den Staatssekretär: Es ist nicht seine Aufgabe, die halbe Welt auch noch gegen die Arbeitsinspektion aufzustacheln, meint das Blatt. Die Inspekteure können sich nicht verteidigen, ihren Standpunkt nicht erläutern. Das hat offenbar schon dazu geführt, dass Kontrollen abgebrochen werden mussten wegen der aggressiven Reaktionen der überprüften Betriebe.

Philippe De Backer hätte erst einmal abwarten sollen, bis alle Fakten vorliegen. Mit seiner Twitter-Kampagne hat er jetzt allenfalls kanisterweise Öl ins Feuer gegossen.

Die Arbeitsinspektion wird hier offensichtlich zum Sündenbock gestempelt, meint auch Gazet van Antwerpen. Gut, im vorliegenden Fall ist der Dienst womöglich übers Ziel hinausgeschossen. Das ist aber kein Grund, dass der zuständige Staatssekretär den Dienst gleich komplett diskreditiert. Zuletzt hat noch der Fall Jost gezeigt, wie wichtig die Arbeit dieser Inspekteure sein kann.

Andere Zeitungen scheinen hingegen dem Staatssekretär Recht zu geben: Dass man den Eltern ab einem gewissen Alter unter die Arme greift, ist doch wohl vollkommen normal, meint etwa Het Laatste Nieuws. Wir sprechen hier schließlich nicht von Zwangsarbeit oder Kindersklaven. Der Fall Matteo wirkt da eher harmlos.

In diesem Zusammenhang kann man sich die Frage stellen, ob es nicht eher auf Kinderarbeit hinausläuft, wenn eine Mutter ihre Tochter für einen Mini-Miss Belgien-Wettbewerb abrichtet oder ein Vater seinen Sohn zu einem Mini-Mister Hazard trainieren will.

Die Arbeitsinspektion ist offensichtlich unterbeschäftigt, frotzelt ironisch Het Belang van Limburg. Bevor man wegen Matteo ein Fass aufmacht, gäbe es vielleicht brennendere Probleme: Sozialdumping etwa, wodurch die Menschen, insbesondere in der Bau- und in der Transportbranche, ihren Job verlieren. Nicht zu vergessen: Schwarzarbeit. Die Arbeitsinspektion sollte ihre Prioritäten richtig setzen.

Neuer Sicherheits- und Justizplan: Ernstgemeint oder nur PR?

„Hier ist der neue Sicherheits- und Justizplan der Regierung Michel“, so derweil die Aufmachergeschichte von La Libre Belgique. Das Blatt hat schon einmal erste Eckpunkte des Entwurfs einsehen können. Unter anderem sollen Moscheen künftig genauer beobachtet und kontrolliert werden. Die Regierung will am Sonntag auf einem Sonderministerrat darüber beraten.

Dann wird sich auch zeigen, ob das ein reiner PR-Coup oder doch eine ernstzunehmende Initiative ist, meint La Libre in ihrem Leitartikel. Im Moment wirkt der Entwurf jedenfalls noch etwas diffus und ungeordnet. Und bekannt ist, dass einige Koalitionspartner für einen spürbar repressiveren Ansatz stehen als verschiedene andere. Ob ein Sonderministerrat ausreichen wird, um die Standpunkte anzugleichen, muss sich erst noch zeigen.

„Drei Viertel der Rassismus-Klagen werden am Ende zu den Akten gelegt“, schreibt schließlich Le Soir. Für die Zeitung ist das ein Indiz dafür, dass die Anti-Rassismus-Gesetzgebung nicht richtig funktioniert. Ein Problem ist, dass es für die Kläger oft unmöglich ist, Fälle von Diskriminierung wirklich zu beweisen.

rop - Bild: Kristof Van Accom (belga)

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