Die Presseschau von Dienstag, dem 9. Mai 2017

Die Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs bleibt das zentrale Thema der Zeitungen. Neben dem Dämpfer für den Populismus in Europa geht es um das, was Macron jetzt tun muss. Und im Zusammenhang mit den Hackerangriffen auf demokratische Staaten wird auch der Umgang mit den neuen Medien diskutiert.

Emmanuel Macron, der nächste Präsident Frankreichs

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„Politiker uneins über Bewertung von Macron“, titelt L’Avenir. „Macron und die unangenehme Übergangszeit“, so die Schlagzeile bei Le Soir. „Bemuttert von Hollande“, schreibt Het Belang van Limburg auf Seite eins. Die Wahl von Emmanuel Macron zum neuen Präsidenten Frankreichs ist auch heute noch das zentrale Thema für die Leitartikler.

La Libre Belgique führt dazu aus: Überall in Europa, außer in Ungarn, wo Orbán Marine Le Pen unterstützt hat, wurde die Wahl von Macron mit Erleichterung und Hoffnung aufgenommen. Macron hat diese Hoffnung noch am Wahlabend genährt: Sein Gang durch den Innenhof des Louvre zur Hymne der EU war mutig in einem Land, in dem die europäische Politik gerne als etwas dargestellt wird, das den Interessen Frankreichs zuwiderläuft. Macron scheint der Mann zu sein, der zu seinem Land und zur EU derzeit am besten passt, meint La Libre Belgique.

Die Mauern der Demokratie sind stärker als gedacht

Le Soir stellt fest: Macron hat die Rechtsextreme besiegt. Nach Österreich und den Niederlanden hat jetzt auch Frankreich gezeigt, dass die Machtübernahme der Populisten nicht zwangsläufig erfolgen muss. Wie haben es Van der Bellen in Österreich, Rutte in Holland und Macron in Frankreich geschafft, sich gegen die Populisten durchzusetzen? Oder auch Merkel und Schulz, den Aufstieg der AfD auszubremsen? Sie haben sich dem Gegner gestellt, sind der Konfrontation mit ihm nicht ausgewichen, haben die Versprechen der Populisten als Illusionen entlarvt und dabei ohne Komplex ihre europäische Überzeugung vertreten. Die Mauern der Demokratie sind stärker als gedacht, jubelt Le Soir.

Auch Het Nieuwsblad freut sich über den Sieg der demokratischen Werte in Frankreich, gibt aber zu bedenken: Wirkliche Euphorie ist fehl am Platz. Die Lage in Frankreich hat sich mit der Wahl von Macron nicht geändert. Macron ist gewählt worden mit den Stimmen der Eliten, der Reichen, der jungen Menschen, die vor einer Zukunft stehen, und den Alten mit einer guten Rente. Le Pen ist gewählt worden von elf Millionen Franzosen, die vor allem eine Sorge haben: Jeden Monat aufs Neue überhaupt über die Runden zu kommen. Das ist die große soziale Schicht, die keine Zukunft mehr sieht und anderen dafür die Schuld gibt, stellt Het Nieuwsblad fest.

Jetzt muss Macron überzeugen

Ähnlich sieht es De Morgen und schreibt: Die Europa-Hymne aus den Lautsprechern erklingen zu lassen in einer Zeit, in der so viel Euroskepsis herrscht, wie nie zuvor, ist schon mutig. Faut le faire. Doch darf man dabei nicht stehen bleiben. Macron muss die Reformen, die er versprochen hat, auch tatsächlich angehen. Um eben diese Bürger zu erreichen, die heute so euroskeptisch sind und die zumeist Le Pen gewählt haben. Das geht nicht mit Beethoven und einem institutionellen Hokuspokus, wie es ein Guy Verhofstadt will, sondern nur mit Reformen im Detail, ist sich De Morgen sicher.

In die gleiche Kerbe schlägt Het Laatste Nieuws und führt aus: Versöhnen, vereinen, verbinden – man hätte fast schon wetten können, dass Macron diese Wörter in seiner ersten Rede als Wahlsieger verwenden würde. Doch darum kann es nicht gehen. So dramatisch, wie viele es dargestellt haben, war die Situation in Frankreich nun auch nicht. Hitler und Stalin standen nicht vor dem Elysée-Palast. Heftige Diskussionen darüber, was das Richtige für ein Land ist, sind doch normal in einer Demokratie. Weshalb Macron jetzt auch nicht allen gefallen muss. Überzeugen muss das Ergebnis seiner Arbeit. Und der muss er sich jetzt schnell widmen, fordert Het Laatste Nieuws.

„Hollande junior“ und die Hacker

L’Avenir schreibt: Fast alle wollen jetzt Freund von Emmanuel Macron sein. Das ist eine Gefahr für ihn. Denn zu schnell könnte dadurch der Eindruck entstehen, dass er tatsächlich nur das ist, was gerade Marine Le Pen ihm vorgeworfen hat: nämlich ein Produkt der herkömmlichen Eliten. Vor diesem Hintergrund war die Nähe, die gestern Noch-Staatspräsident François Hollande bei den Feierlichkeiten zum 8. Mai zu Macron gesucht hat, nicht hilfreich für den künftigen Präsidenten. „Hollande junior“ hatte Le Pen Macron ja mal genannt. Der gestrige Tag hat diese Behauptung eher genährt als widerlegt, analysiert L’Avenir.

Ähnlich wertet La Dernière Heure: Für Macron war die zu große Nähe von Hollande unangenehm. Hollande selbst allerdings hat das sicherlich genossen. Und ein bisschen hat er auch Recht: Denn ohne Hollande wäre Macron nie groß geworden. Es war Hollande, der Macron in seinen Beraterstab holte und ihn später zum Wirtschaftsminister machte. Hollande hat ein feines Näschen bewiesen, findet La Dernière Heure.

Am Samstag vor der Wahl waren vertrauliche, von Hackern gestohlene Dokumente von Macron im Internet aufgetaucht. Dabei handelt es sich neben echten Dokumenten auch um gefälschte. Dazu meint die Wirtschaftszeitung L’Echo: Das war noch mal ein Warnschuss an alle Demokraten. Es ist unbedingt nötig, den Umgang mit den neuen Medien zu lernen. Ein kritischer Blick auf die Zuverlässigkeit von Echtzeit-Informationen muss geschult werden. Und damit sollte man schon in der Grundschule beginnen, fordert L’Echo.

KW -Bild: Francois Mori (afp)

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