Die Presseschau von Freitag, dem 14. April 2017

Der Fußball und Donald Trump beherrschen am Freitag die Titelseiten. Im Fokus der Leitartikler steht zunächst die wachsende Zahl der Langzeitkranken. Und der Dauerstreit zwischen CD&V und N-VA sorgt mehr und mehr gleichermaßen für Sorgenfalten und Kopfschütteln.

US-Präsident Donald Trump

Ob in Sachen China oder Nato: US-Präsident Donald Trump ändert seine Meinung wie ein Fähnchen im Wind

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„Anderlecht hält Manchester stand“, so die Schlagzeile von Le Soir. „Das Wunder bleibt möglich“, titelt L’Avenir. „Ein Geistesblitz von Dendoncker hält die Hoffnung am Leben“, schreibt La Dernière Heure auf Seite eins.

In der Fußball-Europa League hat der RSC Anderlecht dem haushohen Favoriten Manchester United ein 1:1 Unentschieden abgetrotzt. Es war Leander Dendoncker, der in den Schlussminuten noch das wichtige Ausgleichstor erzielte. Damit wahrt Anderlecht seine Chancen auf einen Einzug ins Halbfinale.

Und „dank Thomas Buffel kann auch Genk weiterträumen“, notiert Het Belang van Limburg. Im Europa League-Viertelfinale verloren die Limburger zwar mit 3:2 gegen den spanischen Club Celta de Vigo; die zwei Auswärtstore können sich aber noch als sehr wichtig erweisen.

Wankelmütiger Trump wirft „Mutter aller Bomben“

Auf einigen Titelseiten sieht man am Freitag auch Fotos des US-Präsidenten Donald Trump. „Die dreifache Kehrtwende von Trump“, titelt etwa De Morgen. Innerhalb von 24 Stunden hat Trump dreimal seine Meinung geändert: China ist plötzlich wieder ein interessanter Handelspartner, Janet Yellen ist plötzlich wieder eine gute Notenbankchefin und die Nato ist plötzlich doch nicht mehr überflüssig. Eine solche Serie von Sinneswandeln, das ist Rekord, meint De Morgen.

Auf der Titelseite von Het Nieuwsblad ist derweil eine Bombe zu sehen; allerdings ist es nicht irgendeine Bombe: „Trump wirft die ‚Mutter aller Bomben‘ auf IS“, so bringt es Het Laatste Nieuws auf den Punkt. „Allein eine Atombombe hat noch mehr Kraft“, weiß Het Nieuwsblad. Zum Einsatz kam die zehn Tonnen-Bombe in Afghanistan. Ziel war ein Höhlen- und Tunnelkomplex, in dem sich offenbar IS-Kämpfer verschanzen.

Im Fernost schwelt derweil schon ein neuer Konflikt. De Standaard beleuchtet am Freitag jedenfalls das „Problem Nord-Korea“. Trotz des Drucks der USA und auch des Dauerverbündeten China bereitet das Regime in Pjöngjang offenbar einen neuen Raketen- oder gar Atomtest vor. Ein prominenter Korea-Experte warnt: „Zwar will niemand einen Krieg, aber der Moment, in dem der Kessel explodiert, rückt näher.

Rekordzahl von Langzeitkranken

Viele Leitartikler greifen am Freitag die Meldung auf, wonach die Zahl der Langzeitkranken einen Rekordhoch erreicht hat. Im vergangenen Jahr waren 390.000 Menschen registriert, die seit mehr als einem Jahr krankgeschrieben waren. Damit wurde der Rekord von 2015 noch einmal gebrochen.

Das Problem ist hausgemacht, meint Het Nieuwsblad in seinem Kommentar. Im Grunde ist das nur eine Folge einiger Maßnahmen der Regierung, wie der Anhebung des Rentenalters oder der strengeren Arbeitslosenpolitik. Die politisch Verantwortlichen und auch die Unternehmer hätten zumindest ahnen können, dass sich das Problem allenfalls verlagert. Der Punkt ist, dass insbesondere für ältere Arbeitnehmer einfach nicht genug Jobs zur Verfügung stehen.

Und doch kennt die Föderalregierung im Moment offensichtlich nur ein Mittel, nämlich die Bestrafung, beklagt De Morgen. Man tut fast so, als handle es sich bei Langzeitkranken grundsätzlich um Profiteure. Wer aber glaubt, dass man die steigenden Krankenzahlen allein über Sanktionen in den Griff bekommt, der irrt sich gewaltig. Der Trend konfrontiert uns vielmehr mit einer unbequemen Wahrheit: Manchmal ist die Zitrone eben ausgepresst. Und die Betroffenen dürfen nicht stigmatisiert werden, sie brauchen Verständnis und Empathie.

Früher oder später werden wir uns und unseren Lebenswandel wohl mal in Frage stellen müssen, glaubt Het Belang van Limburg. Die steigende Zahl von Burnouts und Depressionen kommt bestimmt nicht von ungefähr. Es ist nicht nur der Stress am Arbeitsplatz, wir setzen uns auch selbst zu sehr unter Druck. Und mit uns unsere Kinder. Die müssen nach der Schule noch zur Musikakademie, zum Sportverein, zur Jugendvereinigung, und nicht zu vergessen auch noch zu ganz vielen Kindergeburtstagen. Bei alldem vergessen wir zu oft, das Leben einfach nur zu genießen.

CD&V versus N-VA: Unüberbrückbare Gräben

Einige Zeitungen beschäftigen sich auch am Freitag weiter mit dem Dauerstreit zwischen den Regierungsparteien CD&V und N VA. „Die CD&V macht aus der Polemik um die Fatih-Moschee eine Zerreißprobe für die flämische Regierung, bemerkt etwa De Standaard. Die flämische N-VA-Innenministerin Liesbeth Homans will der Moschee im limburgischen Beringen die staatliche Anerkennung entziehen und berief sich dabei auf einen Bericht des Inlandsgeheimdienstes. Eben diese Sûreté beklagte aber später, falsch zitiert worden zu sein. Im zuständigen Ausschuss war dazu sogar der Chef der Staatssicherheit, Jaak Raes, angehört worden. Und dabei sei Homans richtiggehend „filetiert“ worden, zitiert De Standaard einen Augenzeugen. Die CD&V hat jetzt offensichtlich endgültig genug von der N-VA-Ministerin.

Het Laatste Nieuws kann bei alldem nur noch den Kopf schütteln. Wenn jemand wie Jaak Raes Belgien allen Ernstes eine Bananenrepublik nennt, dann muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Tatsächlich gibt die Brüsseler Politik derzeit ein trauriges Bild ab. Das Vertrauen ist im Keller, der Streit permanent. Die Equipe von Charles Michel wirkt allenfalls noch wie eine geschäftsführende Regierung. Insbesondere die drei flämische Streithähne N-VA, CD&V und OpenVLD scheinen zu vergessen, dass sie 2019 die Zeche zahlen müssen für ihr unverantwortliches Verhalten.

Gerade zwischen N-VA und CD&V geht nichts mehr, analysiert auch De Standaard. Die N-VA verändert mit ihrem aggressiven Verhalten das politische Spiel. Und die CD&V schaut entgeistert zu und findet kein Kraut, das dem brutalen Vorgehen der N-VA gewachsen wäre. Das sind keine Meinungsverschiedenheiten mehr, das ist ein unüberbrückbarer Graben.

Roger Pint - Bild: Brendan Smialowski/AFP

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