Die Presseschau von Montag, dem 10. April 2017

Radsport prägt heute die Titelseiten: Greg Van Avermaet hat den Klassiker Paris-Roubaix gewonnen, während Tom Boonen seine aktive Karriere beendete. Aber auch die Terroranschläge von Stockholm und Alexandria sind Thema, ebenso wie die neuesten Ausfälligkeiten der N-VA, alternde AKWs und dealende Polizisten.

Greg Van Avermaet

Greg Van Avermaet gewinnt Paris-Roubaix

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„Was für ein Ass!“, titelt Het Laatste Nieuws. „Van Avermaet dominiert die Hölle“, so La Dernière Heure. „Van Avermaet monumental“, heißt es bei L’Avenir auf Seite eins.
Der flämische Radprofi Greg Van Avermaet hat gestern den Radklassiker Paris-Roubaix gewonnen. Die meisten Zeitungen berichten darüber mit großen Bildern und Schlagzeilen auf ihren Titelseiten. Gleichzeitig verabschieden sie den belgischen Radsport-Helden Tom Boonen aus seiner aktiven Profikarriere: „Kein Sieg, aber ein glänzender Abschied für Boonen“, meint dazu Het Nieuwsblad. Boonen, der gestern auch als einer der Favoriten angesehen wurde, beendete das Rennen auf Platz 13.

Die neue Normalität

De Morgen macht sich in seinem Leitartikel Gedanken zu gleich mehreren Ereignissen des Wochenendes und führt aus: Die Anschläge in Schweden und Ägypten haben für ein besonders gewaltvolles Wochenende gesorgt. Bei dem LKW-Angriff in Stockholm kamen vier Menschen um, die Anschläge in Ägypten gegen koptische Kirchen kosteten 38 Menschen das Leben. Das ist die neue Normalität, sagen uns Experten. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auf lange Sicht mit solchen Nachrichten konfrontiert werden. Um nicht das Spiel der Terroristen zu spielen, dürfen wir uns dadurch nicht beeindrucken lassen in unserem Alltag. Und für unsere Politiker gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren: Überzogene Maßnahmen zu treffen, die ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln, ist deplatziert. Genauso wie zu polarisieren und pauschal ganze Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren.

N-VA teilt gegen CD&V aus: „Moslem-Partei“ und „Stimmvieh“

Auch dafür gab es an diesem Wochenende ein Beispiel, als eine flämische Politikerin respektlos über muslimische Wähler herzog: Das war unverschämt, dumm und gefährlich, findet De Morgen. Damit meint die Zeitung die Äußerung der föderalen Staatssekretärin Zuhal Demir in einer flämischen Sonntagszeitung. In einem Interview hatte die N-VA-Politikerin die CD&V als „Moslem-Partei“ bezeichnet. CD&V-Chef Wouter Beke betrachte Moslems als „Stimmvieh“. Premierminister Charles Michel wies seine Staatssekretärin in die Schranken. Eine Entschuldigung von Demir an Beke gab es aber nicht.

Dazu meint der Leitartikler von Het Laatste Nieuws: Ich muss schon lange in meinem Gedächtnis kramen, bevor ich so jemanden wie Zuhal Demir auf Föderalebene finde. Solche unverschämten Äußerungen zu tätigen, bevor sie überhaupt einmal eine erste vernünftige politische Entscheidung getroffen hat, ist schon bemerkenswert. Wir entwickeln uns so in die Richtung von Trump, Farage, Wilders und Co. Politik gestalten heißt für sie, den anderen zu vernichten. Koste es, was es wolle, kritisiert Het Laatste Nieuws.

Het Nieuwsblad meint: Latent befanden sich die flämischen Parteien der Regierungskoalition immer schon im Wahlkampfmodus. Sie sind untereinander zu ähnlich und waren immer darauf bedacht, sich hier und da mal von den Partnern abzugrenzen. Jetzt erreicht das Ganze eine neue Dimension. Denn 2018 finden Gemeinderatswahlen statt. Hier sind die Partner auf föderaler Ebene Gegner. Die N-VA hat den Wahlkampf jetzt mit lautem Getöse begonnen, so Het Nieuwsblad.

Genauso analysiert es Le Soir und sieht Premierminister Charles Michel vor schwierigen Aufgaben: Der Premierminister muss feststellen, dass seine Regierungskoalition in die unruhigen Gewässer des Vorwahlkampfes eingelaufen ist. Dazu kommt folgender Kontext: Die Schwäche der Sozialisten und Grünen in Flandern, die Flaute bei den flämischen Christdemokraten und Liberalen, die Furcht, dass der Vlaams Belang in den kommenden Monaten wieder stärker wird, schließlich das Abrutschen der wallonischen Sozialisten in Meinungsumfragen. Das alles wird die N-VA beflügeln, um ihre Stärke in Flandern und im ganzen Land unter Beweis zu stellen. Regieren wird für Michel immer schwieriger, glaubt Le Soir.

Alternde Atomkraftwerke und dealende Polizisten

La Libre Belgique schreibt zum Dekret des französischen Staatspräsidenten François Hollande, das älteste Atomkraftwerk des Landes in Fessenheim zu schließen: Früher oder später bleibt Frankreich, aber auch Belgien, nichts Anderes übrig, als sich von der Atomenergie zu verabschieden. Die Reaktoren in beiden Ländern zeigen erste Verschleißerscheinungen. Immer häufiger gibt es technische Probleme. Die Entsorgung des radioaktiven Abfalls bleibt ohne Antwort. Mehrere europäische Länder haben den Weg schon beschritten, künftig auf erneuerbare Energien zu setzen. Belgien täte gut daran, diesem Beispiel zu folgen, findet La Libre Belgique.

La Dernière Heure berichtet heute exklusiv, dass in Brüssel zwei Polizisten wegen Drogenhandels festgenommen wurden. Das Blatt kommentiert: Vergangene Woche schon haben wir von einem Polizisten gehört, der in Lüttich einen zweifelhaften Abschleppdienst für falschparkende Fahrzeuge organisiert hatte. Und jetzt die Polizisten in Brüssel. Das heißt natürlich nicht, dass alle unsere Ordnungshüter verdorben sind. Aber die Verantwortlichen täten gut daran, die Ordnung in ihren Reihen schnell wiederherzustellen, damit sich solche Fälle nie wieder wiederholen, rät La Dernière Heure.

Text: Kay Wagner - Foto: David Stockman/Belga

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