Die Presseschau von Samstag, dem 11. März

Die Zeitungen berichten heute über Ermittlungsergebnisse zum konspirativen Leben und den Vorbereitungen der Terroristen vom 22. März. Daneben bleibt natürlich Publifin großes Thema, gestern sagte ja Stéphane Moreau aus. Außerdem: der Haushalt und eine geradezu kafkaeske Geschichte um einen Hausdiebstahl in Gent.

Vor einem Jahr: Terror am Flughafen Zaventem

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„Das Tagebuch der Terroristen vom 22. März“, titelt Het Nieuwsblad. „Worüber sich die Terroristen vor den Brüsseler Anschlägen unterhalten haben“, schreibt La Libre Belgique auf Seite eins.

Einige Zeitungen haben offensichtlich die Ermittlungsakten im Zusammenhang mit den Brüsseler Anschlägen vom 22. März einsehen können, genauer gesagt die Ergebnisse der Auswertung eines zentralen Beweisstücks: Kurz bevor die Attentäter ins Taxi nach Zaventem stiegen, hatten sie einen Computer in einem nahegelegenen öffentlichen Mülleimer entsorgt, also ganz in der Nähe ihrer konspirativen Wohnung in Schaerbeek.

Die Ermittler konnten den Laptop sicherstellen. Darauf befanden sich eine Reihe von Dokumenten und auch Tonmitschnitten. All dieses Material gibt aufschlussreiche Einblicke in ihre Psyche, ihr tägliches Leben und die Anschlagsvorbereitungen. La Dernière Heure fasst es in einer Schlagzeile zusammen: „Im Kopf der Brüsseler Terroristen“.

De Standaard zitiert einen wohl entscheidenden Satz aus dem Tagebuch: „Wir müssen jetzt zuschlagen, ansonsten werden wir im Gefängnis verrotten.“ Tatsache ist: Die Polizei war der Terrorzelle auf der Spur. Einige Tage zuvor war Salah Abdeslam festgenommen worden. Die Terroristen wussten, dass sich die Schlinge zuzog: „Alle sind enttarnt, es sind sogar Fotos von uns im Umlauf“, ist auf einer Aufzeichnung zu hören.

Wie La Libre Belgique berichtet, hatten die Terroristen sogar ein Bekennerschreiben vorbereitet. Darin begründen sie die Attacke unter anderem mit der Tatsache, dass Belgien Teil der militärischen Koalition gegen den IS ist. Der Brief wurde aber offensichtlich nie aufgegeben.

Publifin-Ausschuss: Der Mann mit den vielen Gesichtern

Vor allem die frankophonen Zeitungen beschäftigen sich heute natürlich auch mit der gestrigen Anhörung von Nethys-Chef Stéphane Moreau vor dem Publifin-Untersuchungsausschuss. „Stéphane Moreau kam als Geschäftsmann daher“, hält L’Avenir auf Seite eins seinen Eindruck fest. Nach einer überlangen Präsentation des Publifin-Nethys-Konstrukts hat Moreau auf einige Fragen der Ausschussmitglieder dann doch deutlich Auskunft gegeben.

Eine dieser Antworten steht zusammengefasst auf Seite eins von Le Soir: „Moreau verdient eine Million Euro pro Jahr“. Die Kernfrage, nämlich wer die astronomischen Sitzungsgelder in den Publifin-Sektorenausschüssen abgesegnet hat, die blieb allerdings offen. Moreau sieht sich ohnehin als ein Opfer eben dieser Missstände, wie La Libre Belgique hervorhebt. Er sei doch nur in diese missliche Lage geraten, weil hinter seinem Rücken Dinge entgleist seien, verteidigte er sich.

Stéphane Moreau ist ein Mann mit vielen Gesichtern, meint Le Soir in seinem Leitartikel. Zunächst ein brillanter Geschäftsmann, sozusagen der Albert Frère aus Lüttich. Dann aber auch der große Manipulator, der den Ausschuss richtiggehend an der Nase herumgeführt hat. Moreau beweist zunächst, dass er sein Unternehmen bis in die letzten Winkel kennt – und eben dieser Moreau will dann nicht gewusst haben, was bei Publifin passiert.

Ach ja! Wenn Moreau auch vieles ist, so ist er nach eigener Aussage eines nicht: Politiker. Der Mann hat allen Ernstes den Nerv, das Amt des Bürgermeisters, das er bis vor Kurzem noch ausübte, als Fußnote abzutun. Dabei vergisst er, dass er genau wegen dieser Doppelrolle als Geschäftsmann und Politiker vor dem Ausschuss gelandet ist.

Eben diesen Auftritt hätte er sich eigentlich ersparen können, meint L’Avenir. Die sehr ausführliche Präsentation etwa, mit der Moreau seine Anhörung einleitete, die hätte es viel früher geben müssen. Publifin-Nethys ist ja nur deswegen ins Zwielicht geraten, weil niemand außer Moreau den Durchblick hat. All die Vorwürfe, Legenden und Verschwörungstheorien hätten mit einer gesunden Informations- und Kommunikationspolitik vermieden werden können.

Was nicht heißt, dass man nicht doch empört sein darf, scheint La Dernière Heure hinzufügen zu wollen. Die horrenden Bezüge, etwa der Herren Gilles oder Moreau, die können einen nach wie vor wütend machen. Oder auch die Aussage eines Louis Michel, der allen Ernstes erklärte, dass sich doch keiner für läppische 5.000 Euro pro Monat in ein Parlament setzen würde. Und das sind dieselben Leute, die es wagen, uns aufzufordern, den Gürtel enger zu schnallen.

Haushalten ist „keine exakte Wissenschaft“

Apropos Sparmaßnahmen, apropos Michel: Vor dem Hintergrund der anstehenden Haushaltskontrolle bringt L’Echo heute ein ausführliches Interview mit Premierminister Charles Michel. „Einen Haushalt zu schnüren, das ist keine exakte Wissenschaft“, sagt Michel auf Seite eins und scheint damit eine Begründung dafür liefern zu wollen, warum insbesondere diese Regierung ihr Budget ständig nachbessern muss.

Laut einem Gutachten des sogenannten Monitoringkomitees hält sich der Fehlbetrag aber diesmal in Grenzen. Demnach muss die Regierung „nur“ rund 300 Millionen Euro finden, um den Haushalt in der Spur zu halten. Dies allerdings nur, wenn man an die Rücklagen geht. „Schlachtet die Regierung ihr Sparschwein oder nicht?“, fragt sich denn auch Het Laatste Nieuws.

Die neuen Haushaltszahlen sind ja auf den ersten Blick (für einmal) nicht allzu katastrophal, meint L’Echo in seinem Leitartikel. Allerdings warten wir immer noch auf eine Reform der Körperschaftssteuer, die die Regierung doch hoch und heilig versprochen hatte. Michel sagt in diesem Zusammenhang, dass er im Moment nicht mit Streichhölzchen spielen will. Die Unternehmen warten aber auf besagte Reformen.

Kafkaesker Hausdiebstahl

Eine fast unglaubliche Geschichte gibt es heute auf Seite eins von Het Nieuwsblad und Het Laatste Nieuws: „Haus besetzt durch elf Roma mit Kindern und einem Hund“, so etwa die Schlagzeile von Het Laatste Nieuws. Der Punkt: Dieses besetzte Haus in Gent, das ist keine leerstehende Immobilie, sondern das Wohnhaus eines Ehepaars.

Die beiden sind gerade aus beruflichen Gründen in Vietnam, als sie eine Mail von einem Nachbarn bekommen, in der es heißt: „Es haben Leute Ihr Haus besetzt“. Das Seltsame ist: Den Behörden sind in dem Fall die Hände gebunden: „Die Eigentümer sind machtlos“, schreibt auch Het Nieuwsblad. Bis auf Weiteres bleiben die Besetzer also in dem Haus wohnen.

Das ist ja wohl an Absurdität nicht zu überbieten!, wettert Het Laatste Nieuws in seinem Leitartikel. Kafka in Reinform! Elf Hausbesetzer inklusive Hund sollen das sein? Hier handelt es sich um elf ganz gewöhnliche Einbrecher.

Das Problem ist allerdings, dass sich die Eindringlinge auf das „Recht auf Wohnen“ berufen. Und das macht es juristisch schwierig, die Leute wieder vor die Tür zu setzen. Was lernen wir daraus? Machen sie nur die Tür hinter sich zu, und dann haben sie eine Wohnung schon straffrei besetzt.

Roger Pint - Archivbild: Dirk Waem/BELGA

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