Das Jahr des 1000. „Tatorts“ war ein Rekordjahr

Am zweiten Weihnachtsfeiertag stand der letzte "Tatort" des Jahres - der traurige Münchner Bettler-Krimi "Klingelingeling" - im ARD-Programm. Im Jubiläumsjahr gab es mehr als drei Dutzend neue Filme der beliebten Reihe. Was 2016 beim "Tatort" los war und was 2017 zu erwarten ist.

Beliebtes Tatort-Duo: Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) ermitteln für den WDR in Münster

Beliebtes Tatort-Duo: Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) ermitteln für den WDR in Münster

Beim „Tatort“ sind dieses Jahr 162 Leichen in 37 Filmen gezählt worden – ein neuer Rekord. Die Zählung kommt von der Fan-Seite „Tatort-Fundus“. Die Experten sagen auch, dass von den derzeitigen Top fünf der leichenreichsten Filme zwei in diesem Jahr gezeigt wurden: zum einen die Stuttgarter Folge „Im gelobten Land“ vom SWR mit 26 Leichen, darunter allein 23 Flüchtlinge in einem Lastwagen, sowie der Bremer Krimi „Der hundertste Affe“ mit 21 Leichen.

Die ARD-Reihe „Tatort“ gibt es seit 1970 – in diesem Jahr lief der 1000. Krimi. Der bisherige Rekord waren im Jahr 2014 in 36 Filmen 150 Leichen, 2015 gab es 111 Leichen in 40 Krimis.

Für die Statistik zählt das „Tatort-Fundus“-Team um François Werner und Achim Neubauer nur sogenannte relevante Tote und meint damit jene, die während der Handlung sterben und die nicht in Rückblenden noch mal gezeigt werden. Irrelevant sind auch jene Toten, die in der Geschichte nur erwähnt werden und früher starben.

Besonderheiten 2016

Das Münchner Team Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) feierte 2016 sein 25. Jubiläum im April mit der Folge „Mia san jetz da wo’s weh tut“. Im November verwirrte wieder Ulrich Tukur als Felix Murot – im HR-Film „Es lebe der Tod“ hatte er es mit einem Serienmörder zu tun, der auch ihm als Ermittler ans Leben wollte.

Gelungene Krimis gab es auch – wie meistens – aus Wien, Dortmund oder auch Frankfurt, wo beispielsweise im April „Die Geschichte vom bösen Friederich“ mit dem grandios-fiesen Schauspieler Nicholas Ofczarek Eindruck hinterließ. Zeitgeistnah gaben sich der Frankfurter Fall „Wendehammer“ im Dezember über Big-Data-Machenschaften sowie im August der Stuttgarter Fall „HAL“, in dem ein selbstlernendes Computerprogramm durchdrehte.

Tatort Münster

Die höchste Einschaltquote hatten auch 2016 wieder die WDR-Fälle aus Münster. Im Mai sahen den Tanzschulen-Krimi „Ein Fuß kommt selten allein“ etwa 12,8 Millionen. Im September schalteten etwa 13,3 Millionen den Fall „Feierstunde“ ein, in dem Professor Boerne (Jan Josef Liefers) zum Racheopfer eines Professorenkollegen wird.

Der Berliner „Tatort“ mit Meret Becker und Mark Waschke kam im Dezember zumindest mit seiner Krimi-im-Krimi-Reihe um die Vergangenheit des Kommissars Robert Karow zu einem Ende. In der Hauptstadt könnte es ab 2017 also mehr normale Kriminalfälle geben.

Im Juni machte der RBB-Krimi „Wir – Ihr – Sie“ den von Waschke verkörperten Ermittler darüber hinaus noch zum sexuell wohl freizügigsten und wohl auch einzigen schwulen Ermittler der Reihe, indem er ihn sehr intim mit einem anderen Mann zeigte. Im MDR-Weimar-„Tatort“ mit dem Titel „Der treue Roy“ stand im April ein Totgeglaubter mit Kugel im Kopf wieder auf, ethisch-moralisch wurde es im September im Schweizer Sterbehilfe-Fall „Freitod“.

Taxi nach Leipzig

Im 1000. „Tatort“ Mitte November nahm ein Ex-Soldat zwei bekannte Ermittler der Reihe – Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Klaus Borowski (Axel Milberg) – als Geiseln in einem „Taxi nach Leipzig“. Der Film hieß damit genauso wie einst der erste Fall im Jahr 1970. Der Darsteller des Taxifahrers war übrigens der Schauspieler Florian Bartholomäi, der laut „Tatort-Fundus“ der häufigste „Tatort“-Mörder ist. Schon zwölfmal spielte er mit, sechsmal war er der Täter, sieben Tote gehen auf sein Konto.

Zu den Flops 2016 zählte quotenmäßig die actionreiche Til-Schweiger-Doppelfolge zum Jahresauftakt – trotz Engagements von Helene Fischer. Auch der „Tatort“-Kinofilm „Tschiller: Off Duty“ lief nicht so toll, er lockte keine 300.000 Menschen vor die Leinwand.

Vorschau

Zum Jahreswechsel 2016/17 sind 21 „Tatort“-Teams aktiv. Als ein Höhepunkt des kommenden Jahres dürfte bereits jetzt wohl im Februar der Ludwigshafen-„Tatort“ mit dem Titel „Babbeldasch“ gelten. Darin agieren Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal und ihre Schauspielkollegen unter der Regie von Axel Ranisch („Dicke Mädchen“, „Ich fühl mich Disco“) ohne festes Drehbuch.

Der erste „Tatort“ 2017 kommt aus dem Saarland: die Folge am Neujahrstag heißt „Söhne und Väter“. Den ursprünglich für den 1. Januar vorgesehenen Dortmunder „Tatort“ mit dem Titel „Sturm“, in dem es einen terroristischen Anschlag gibt, hat die ARD um ein paar Wochen verschoben – mit Rücksicht auf die Opfer des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz.

Von Gregor Tholl, dpa - Bild: Markus Tedeskino/WDR

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150