Pop-Art: James Rosenquist ist tot

Kampfflugzeug, Atombombe, Spaghettidose: Mehr als 25 Meter zog sich ein Gemälde von Pop-Künstler James Rosenquist, mit dem er politische Debatten anstachelte. Aushängeschild sein wollte er nie, und doch war er einer der wichtigsten Weggefährten von Andy Warhol und Roy Lichtenstein.

„Ich male keine Anekdoten, ich kumuliere Erfahrungen.“ So hat der amerikanische Künstler James Rosenquist einmal erklärt, warum die meisten seiner Bilder ein so gigantisches Format haben. Der Maler, der am Freitag im Alter von 83 Jahren starb, hat Kritiker und Kenner aber nicht nur durch die Größe seiner Werke beeindruckt. Immer wieder verwirklichte er eindrucksvoll sein Hauptanliegen, das Publikum zum Nachdenken zu bringen.

Jahrzehntelang wehrte sich Rosenquist dagegen, als Pop Artist etikettiert zu werden. Dennoch galt er neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein seit den 60er Jahren als Aushängeschild dieser Kunstrichtung, auch wenn er immer wieder mit einer neuen und aufregenden Bildsprache überraschte. Zentrales Thema war für ihn die Konsumgesellschaft: Oft verwendet er Werbebilder, um sie – fragmentiert und neu komponiert – als Lüge zu entlarven.

Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Gemälde „F 111“, das 1965 politische Diskussionen auslöste. Auf dem mehr als 25 Meter langen Bild zeigt Rosenquist ein Kampfflugzeug und eine Atombombenwolke zusammen mit verfremdeten Symbolen des amerikanischen Wohlstands: Autoreifen, Spaghettidosen, ein lächelndes Mädchen unter einer Trockenhaube.

Sein wohl größtes Werk schuf er 1998 im Auftrag des Berliner Guggenheim-Museums: Das dreiteilige, 48 Meter lange Bild „The Swimmer in the Econo-mist“ (etwa: Schwimmer im Dunst der Ökonomie) zeigt die Industriegesellschaft im Tumult. „Bing, Bang, Boom: Genau das ist es, was das moderne Leben ausmacht“, kommentierte er einmal sein Werk.

1933 als Sohn einer schwedisch-norwegischen Familie im Mittleren Westen der USA geboren, verdiente Rosenquist seinen Lebensunterhalt zunächst mit dem Malen von Werbeplakaten. Anfang der 60er Jahre kam er nach New York und gehörte bald zum Kreis der jungen Neuen Realisten. Einen Schicksalsschlag erlebte der Künstler 1971, als er mit seiner Familie einen schweren Autounfall hatte. Vier Monate lag seine Frau im Koma, sein Sohn blieb fünf Wochen bewusstlos. Von den folgenden Depressionen befreite er sich erst Jahre später.

Das Museum Ludwig in Köln bereitet zum ersten Mal eine Ausstellung über Rosenquist vor. Die Eröffnung ist für Mitte November vorgesehen.

orf/rkr

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