J1T: Von Syrien nach Eupen: „Danke, dass Ihr mich aufgenommen habt!“

Flüchtlinge und ihre Integration prägen seit etlichen Monaten die Schlagzeilen. Die Journalisten für einen Tag, Fabrice Even, Lucas Cormann und Louisa Collas vom Robert-Schuman-Institut Eupen haben mit einem betroffenen Syrer gesprochen, der ihnen erzählt hat, wie sein Lebensweg aussieht und was er macht.

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J1T: Von Syrien nach Eupen - RSIMP3

Die Moorenhöhe in Eupen. Hier können sie zur Ruhe kommen. Noch vor anderthalb Jahren war der 18-Jährige auf der Flucht. Von Syrien ging es über Dubai Richtung Europa. Nur Khalid und sein Vater haben die Flucht gewagt. Die Mutter und seine Schwestern sollten erst zurück bleiben. „Das war sehr gefährlich. Wir sind im Dunkeln abends um acht losgefahren. Wir waren 50 Leute in einem Acht-Meter-Boot“, erinnert sich Khalid Al Madani.

In Griechenland angekommen war die Flucht noch lange nicht vorbei. Das nächste Ziel war Ungarn. Dort war das Weiterkommen besonders schwierig. „Wir sollten da im Camp warten. Aber wir sind nicht ins Camp gegangen. Nicht ins Camp zu gehen, war auch sehr gefährlich. Da waren Leute, die unsere Sachen klauen oder uns sogar töten wollten. Das ist zum Glück aber nicht passiert“, erzählt Khalid.

Zwei Wochen dauerte Khalids Reise. Anschließend fand er Zuflucht bei Verwandten in Aachen. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter Richtung Belgien. Die nächste Etappe hieß Asylbewerberheim Elsenborn. „Wir musste da mit sechs Leuten in einem Zimmer wohnen. Mit meinem Vater und mir waren wir also zu acht. Das Badezimmer war immer voll“, sagt Khalid.

Nach neun Monaten in Elsenborn ging es dann endlich ins eigene Haus. Jedoch war es immer noch nicht so schön wie damals. Die Hälfte der Familie fehlte. Auch in der Schule war der Anfang nicht leicht. Zunächst ging es für Khalid in die Integrationsklasse am Robert-Schuman-Institut. Englisch und Arabisch waren kein Problem. Nur konnte er kein Wort Deutsch. „Ich hatte keine Freunde, ich war immer alleine. Aber jetzt gehe ich zur Schule und habe viele Freunde, zum Glück. Wir haben Krieg in unserem Land und hier in Belgien ist das Leben perfekt und die Leute sind sehr nett und ich sage vielen Dank, dass Ihr uns empfangen habt“, sagt er.

Auch mit den neuen Nachbarn hat die Familie Al Madani ein sehr gutes Verhältnis. „Wir haben zusammen bei Khalid im Garten gesessen und erzählt. Und wir hoffen, dass sie hier hundertprozentig Fuß fassen“, hoffen die Nachbarn.

Anderthalb Jahre ist es nun her, dass Khalid und sein Vater in Eupen ein neues Zuhause gefunden haben. Vor zehn Tagen kam es dann endlich zum hart ersehnten Wiedersehen mit der Mutter und den beiden Schwestern. „Das war super. Ich habe meine Mutter eineinhalb Jahre nicht mehr gesehen. Man braucht seine Mutter. Ich habe das früher nicht richtig gefühlt, aber jetzt verstehe ich, was die Mutter ausmacht“, so Khalid.

In Syrien fallen noch immer die Bomben. Khalids Onkel ist seit vier Jahren verschollen. Vier von Khalids Freunden sind bei einem Überfall direkt vor seiner Schule erschossen worden. Das war 2012. Im letzten Moment wollte Khalid einen seiner Kameraden noch zurück halten. Doch es war zu spät. Ghaith bricht vor seinen Augen zusammen. Die Bilder kehren immer wieder zurück. Doch jetzt muss Khalid nach vorne schauen: „Ich bin in der Mechanik-Abteilung und will weiter studieren. Für mich ist ein Diplom sehr wichtig. Ich muss was haben, um weiter zu kommen.“

J1T/BRF

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